Diese bekräftigten in einer Erklärung ihr Interesse an einer objektiven Untersuchung des Falls. Der russische Verteidigungsminister Sergej Iwanow spielte die Bedeutung desKreml-Kritikers Litwinenko in der Hierarchie des Geheimdienstes FSB herunter. Dieser habe eine untergeordnete Position inne gehabt, sagte Iwanow bei einem Besuch in Athen.

Konstruktive Zusammenarbeit
Nach dem Treffen mit den britischen Polizisten erklärte die russische Staatsanwaltschaft, beide Seiten hätten ihre Bereitschaft zu einer „professionellen und konstruktiven Zusammenarbeit“ bekundet. Den Beamten aus London würden hoch qualifizierte Offiziere zur Seite gestellt. Der Sprecher der britischen Botschaft in Moskau sagte, die Polizisten würden so lange bleiben, bis der auf die russische Hauptstadt bezogene Teil der Untersuchung abgeschlossen sei. Die Affäre droht die russisch-britischen Beziehungen zu belasten.
Nach britischen und russischen Medienberichten wollen die Beamten mit dem Geschäftsmann Andrej Lugowoj und seinen Geschäftspartnern Dmitri Kowtun und Wjatscheslaw Sokolenko sprechen. Die drei hatten Litwinenko am Tag seiner Vergiftung in einem Londoner Hotel getroffen. In Lugowojs Privatflugzeug und seinem Londoner Hotelzimmer waren Spuren der radioaktiven Substanz Polonium 210 gefunden worden, mit der Litwinenko vergiftet worden war.

Putin trifft D'Alema
Unwahrscheinlich war zunächst ein Treffen der Ermittler mit dem ehemaligen Geheimagenten Michail Trepaschkin, der im Ural eine vierjährige Haftstrafe wegen Geheimnisverrats verbüßt. Der schwer kranke Trepaschkin hatte Litwinenko nach eigenen Angaben vor einem geplanten Mordanschlag der Geheimdienste gewarnt. Einen Besuch der britischen Ermittler bei dem schwer kranken Gefangenen verweigerte die Gefängnisleitung mit der Begründung, dass dies angesichts des Vergehens Trepaschkins „kein Staat“ erlauben würde.
Die Affäre Litwinenko war am Abend auch Thema eines Treffens von Ministerpräsident Wladimir Putin mit dem italienischen Außenminister Massimo D'Alema. Im Körper des italienischen Litwinenko-Vertrauten Mario Scaramella wurde ebenfalls Polonium 210 gefunden. Scaramella ist aber bislang nicht in Lebensgefahr.
Fast zwei Wochen nach dem Zusammenbruch des früheren russischen Ministerpräsidenten Jegor Gaidar haben die Ärzte immer noch keine Belege für eine Vergiftung. Radioaktive Verstrahlung könne aber „vollkommen ausgeschlossen“ werden. (AFP/cd)