Die RUNDSCHAU listet einige der zentralen Figuren auf:
Mario Scaramella: Der italienische Professor Mario Scaramella zählt zu den letzten, die den russischen Ex-Spion vor dem Beginn der schleichenden Vergiftung trafen. Scaramella überreichte Litwinenko bei dieser Gelegenheit Dokumente über den Mord an der russischen Journalistin Anna Politkowskaja am 7. Oktober in Moskau. Daneben informierte der Professor aus Neapel Litwinenko auch darüber, dass er darauf gefasst sein müsse, ermordet zu werden. Scaramella sammelt im Auftrag des italienischen Parlaments Informationen über die Anwerbung von Agenten durch den ehemaligen sowjetischen Geheimdienst KGB in Italien.
Boris Beresowski : Unter den Kritikern des russischen Präsidenten Wladimir Putin ist Boris Beresowski wohl der prominenteste. Bei den Privatisierungen in den 90er-Jahren scheffelte Beresowski ein Milliardenvermögen und zählte bald zur kleinen Kaste der Geld-Oligarchen, die sich in Moskau als politische Strippenzieher betätigten. Doch fiel er im November 2000 in Ungnade. Beresowski ging nach London ins Exil und erhielt von Großbritannien Asyl. Wenn Beresowskis Beschuldigungen zutreffen, dann sind die russischen Geheimdienste für die Anschläge von Moskau 1999 ebenso mitverantwortlich wie für die Geiselnahme tschetschenischer Täter in einem Moskauer Theater 2002.
Alexander Goldfarb: Freund Litwinenkos und Direktor der von Boris Beresowski gegründeten International Foundation for Civil Liberties bildete Alexander Goldfarb das persönliche Bindeglied zwischen den beiden prominenten Russen im Londoner Exil. Beresowski rief die Stiftung bereits kurz nach seiner Ankunft in der britischen Hauptstadt ins Leben. Goldfarb ist US-Bürger. Während der dreiwöchigen Agonie Litvinenkos stand sein Freund Goldfarb ständig im Rampenlicht, weil er die letzten Nachrichten des Sterbenden an die Öffentlichkeit weitergab.
Oleg Gordiewski: Der frühere KGB-Spion Oleg Gordiewski enthüllte in einem 1990 veröffentlichten Buch Einzelheiten eines Mordanschlags von 1978, der zu den spektakulärsten Geheimdienstaktionen des vergangenen Jahrhunderts - und damit zu den Vorläufern der Vergiftung Litwinenkos - zählt. Danach versorgte der KGB den bulgarischen Geheimdienst mit dem Gift und dem Know-how zur Ermordung des bulgarischen Dissidenten Georgi Markow. Markow wurde 1978 an einer Londoner Bushaltestelle von einem Passanten mit einem Regenschirm eine tödliche Dosis Gift injiziert.
Achmed Sakajew: Der tschetschenische Unabhängigkeitskämpfer Achmed Sakajew, der 2000 nach einer Verletzung im Tschetschenienkrieg seine Heimat verließ, kam 2002 ebenfalls nach Großbritannien ins Exil. Als ihm in einem Gerichtsverfahren die Ausweisung drohte, wurde er von der Oscar-Preisträgerin Vanessa Redgrave unterstützt. Das Auslieferungsbegehren wurde mit der Begründung zurückgewiesen, dass Sakajew möglicherweise von Folter bedroht sei. (AFP/kr)