Oft verbindet sich das ganz persönliche Feiertagsgefühl mit einem bestimmten Lied. Auf dieser Seite haben Mitglieder der RUNDSCHAU-Redaktion aufgeschrieben, welche Klänge sie in Weihnachtsstimmung versetzen.

Der außerordentliche Zauber absoluter Stille

Chefreporterin Simone Wendler über "Stille Nacht, heilige Nacht"
Ich bin in der Cottbuser Altstadt in der Nähe des Theaters aufgewachsen. Als Kind bin ich dort mit meinem Vater manchmal nach der Bescherung am Heiligen Abend noch mal zu einem kurzen Spaziergang auf die Straße gegangen.

Die unglaubliche Stille, die dann auf der Stadt lag, hat mich zu tiefst beeindruckt und sich für mich dauerhaft mit der Liedzeile "Stille Nacht, heilige Nacht" verbunden.

Wann immer ich später dieses Lied gehört habe, musste ich an diese Weihnachtsnacht-Spaziergänge mit meinem Vater denken. Ich liebe diese wenigen Stunden tiefster Ruhe im Jahr, wo jede Aufgeregtheit und lärmende Hektik fehlt. Eine Stille, in der wir uns bewusst werden können, was unser Leben ausmacht, was es trägt und was für uns wirklich wichtig ist. Manchmal wünsche ich mir öfter diesen Zauber absoluter Stille. Doch gerade seine Einmaligkeit in der Weihnachtsnacht macht ihn so wertvoll und macht für mich die "stille Nacht" zur "heiligen Nacht."

Franz Liszt sorgt für weihnachtliche Gänsehaut

Lokal-Redakteur Daniel Steiger über das "Loblied des Zacharias"
Ein traditionelles Weihnachtslied habe ich eigentlich gar nicht. Kürzlich hörte ich an einem Adventswochenende aber etwas, dass zu einem werden könnte.

Im Gottesdienst entlockte der Kolkwitzer Pfarrer Klaus Natho einer CD den Chorgesang "Das Loblied des Zacharias" oder auch "Benedictus" von Franz Liszt. Was vom Wortlaut nach schwerer Kost klingt, entpuppte sich beim Zuhören als federleicht schwebender Choral, der Gänsehaut erzeugt, selbst wenn die Ohren normalerweise eher Schlagzeug und elektrische Gitarren gewohnt sind.

Jeden Tag Gänsebraten und Rotkohl

Volontär Daniel Schauff über "I wish everyday could be like Christmas"Man stelle sich das nur einmal vor: Jeder Tag wäre so wie Weihnachten. Im Radio sängen ausschließlich Wham! und Bing Crosby um die Wette.

Auf dem Speiseplan stünden nur Gänsebraten, Rotkohl und Kartoffelklöße, und man müsste sich permanent Gedanken darüber machen, was man denn seinen Liebsten schenken könnte. Keine entspannte Vorstellung, oder? Und trotzdem: Pünktlich am ersten Advent krame ich jedes Jahr die mittlerweile 20 Jahre alte Maxi-CD von Bon Jovi aus meiner Weihnachtskiste und freue mich auf den rockig-frommen Wunsch "I wish everyday could be like Christmas". Ein kleines bisschen Weihnachtsstimmung wäre vielleicht doch auch im Alltag gar nicht so verkehrt.

Nicht ohne unsere Roland-Neudert-Kassette

Sport-Redakteurin Mirjam Hecht über "St. Niklas war ein Seemann"Auch wenn das jetzt ein bisschen peinlich sein mag: Weihnachten ohne Schlagersänger Roland Neudert ist für mich nicht vorstellbar. Nichts kann die gute, alte DDR-Kassette "Fröhliche Weihnachten mit Roland Neudert" von 1986 toppen.

Seit jenem Jahr dudelt sie Fest für Fest zuverlässig im Wohnzimmer meiner Eltern vor sich hin (und muss ganz schön oft umgedreht werden). Mein absolutes Lieblingslied: "St. Niklas war ein Seemann". Kleine Kostprobe: "Ich hab‘ ein Schiff gesehen in einer Winternacht. Aus Silber war das Segel, aus Gold der Mast gemacht. Vielhundert Kerzen brannten, ich sah den Steuermann. Da wusst‘ ich, dass ich Weihnacht zu Hause feiern kann." Genau! Und zwar nicht ohne Roland-Neudert-Kassette!

Die absolut geniale Endlosschleife

Volontärin Anja Guhlan über "Last Christmas"Ich weiß, die meisten von Ihnen können "Last Christmas" nicht mehr hören, und der Song hängt Ihnen bestimmt schon jetzt wieder zum Halse heraus. Für mich aber ist "Last Christmas" eine geniale Endlosschleife.

Der Wham!-Klassiker von 1984 ist legendär und schön. Und vor allem sehr zuverlässig. Denn alljährlich zu Weihnachten ist er täglich im Radio zu hören. Das Besondere für mich ist, dass es bei dem Weihnachtslied eigentlich gar nicht um Weihnachten geht. Das Fest liefert nur den Rahmen, um von einer gescheiterten Liebe zu berichten, doch die Geschehnisse liegen bereits ein Jahr zurück, dieses Jahr sucht man ein neues Glück. Durch die geniale Verwendung des Wörtchens "Last" dehnen Wham! die Geschichte rückwärtig ins Unendliche. Denn egal ob im Jahr 1984 oder 2012: Herzensschmerz und Erlösungswünsche finden immer einen gewissen Anklang. Ich bin mir zumindest sicher, in zwanzig Jahren zu Weihnachten immer noch gerne "Last Christmas" zu hören.

Einmal im Jahr Kind sein dürfen

Reporter Alexander Dinger über "Eisbärtanz"Was in vielen ostdeutschen Haushalten "Weihnachten in Familie" von Frank Schöbel und Aurora Lacasa ist, verbinde ich mit der Kassette "Benjamin Blümchen singt Weihnachtslieder". Die hat 1992 der Nikolaus in einen meiner frisch geputzten Schuhe gesteckt.

Ich war damals acht Jahre alt und wahrscheinlich schon einen Tick zu alt für Benjamin Blümchen. Die Kassette lief trotzdem hoch und runter. Mein Favorit war das Stück "Eisbärtanz". Wenn ich die ersten Takte höre, setzt sofort das Kopfkino ein. Dann sehe ich mein Kinderzimmer, denke an die unglaubliche Vorfreude und die schönen Weihnachtsabende. Bei uns zu Hause steht übrigens auch die grüne Amiga-Pressung von "Weihnachten in Familie". Wenn meine Mutter und ich während der Feiertage in Erinnerungen schwelgen wollen, legen wir aber eher mal kurz "Eisbärtanz" ein. Mein Vater verdreht dann die Augen - dann ist es für einen Moment wie früher.

Heiligabend in der Ausnüchterungszelle

Deskchef Tim Albert über "Fairytale of New York"

New York. Heiligabend in der Ausnüchterungszelle. Der Polizeichor singt ein irisches Volkslied. Und draußen verkünden die Glocken das Weihnachtsfest. Eine eigenartige Szenerie hat die anglo-irische Folkpunkband "The Pogues" für ihren Song gewählt. Und eigenartig geht es weiter, wenn im Duett des genial-versoffenen Shane MacGowan mit der später tragisch ums Leben gekommenen Kirsty MacColl nur so die Fetzen fliegen. Es geht um unerfüllte Versprechen, um zerbrochene Träume und bittere Niederlagen. Aber nachdem die beiden sich erst mal nach allen Regeln der Kunst zerfleischt, sich als Penner und Schlampe, als Made und Schwuchtel beschimpft haben, stellt sich heraus: Es gibt Hoffnung, auch ganz unten. Die Liebe ist noch da. Und der Glaube, dass sich die gemeinsamen Träume am Ende doch noch erfüllen werden. Glaube, Liebe, Hoffnung. Weihnachten.