Mit seinen früheren Versuchen, eine derartige Schauwerkstatt in anderen Gegenden Deutschlands und auch in Polen zu errichten, ist Gunther von Hagens gescheitert, weil die politisch Verantwortlichen und die Bevölkerung mehrheitlich nicht wollten, dass verstorbene Menschen nur noch anonymes Material sind, um es zu Erzeugnissen zu machen, die zur Schau gestellt werden und kommerzielle Interessen befriedigt werden.
Im Monat November ehren wir besonders unsere verstorbenen Angehörigen auf den Friedhöfen. Was für ein relevanter Widerspruch besteht zwischen diesem elementaren Bedürfnis und der „Bearbeitung“ von Verstorbenen und ihrer öffentlichen Darstellung im Plastinarium.
Ausgerechnet Herr von Hagens hat auch Verständnis für deutsche Soldaten aufgebracht, die sich in Afghanistan mit Totenschädeln fotografieren ließen.
Während der Bürgermeister von Guben, Herr Hübner, in der RUNDSCHAU vom 18. November die Errichtung des Plastinariums im Wesentlichen mit einer durch den technologischen Fortschritt bedingten sogenannten neuen Wendezeit und mit neuen kommunalen Herausforderungen versucht zu begründen und damit bestehende Grundprinzipien der Menschenwürde nicht außer Kraft setzen konnte und sie hier keine Rolle spielen, kann ich den Ausführungen von Herrn Matthias Blume nur voll zustimmen.

Dr. med. Josef Horntrich schreibt per E-Mail zum selben Thema: In der lebhaften Diskussion um die Zulässigkeit seiner Methoden und Präsentationen sollte man zwei Aspekte auseinander halten. Zum einen geht es um die Herstellung von plastinierten Scheiben aus unterschiedlichen Körperregionen für medizinische Ausbildungszwecke. Dafür besteht offensichtlich weltweiter Bedarf. Zur Rechtfertigung der Herstellung solcher Präparate könnte ein Satz dienen, der an manchem Eingang zum Anatomischen Institut steht: „Hier dient der Tod dem Leben.“
Fragwürdig und makaber ist es jedoch, Leichen in den verschiedensten Posen zu fixieren wie die Reklameposter der drei Zocker für den Bondfilm zurzeit überall zeigen und wie sie von der Ausstellung „Körperwelten“ bekannt sind. Hierfür gilt, was Superintendent Blume in der RUNDSCHAU schrieb: „Dass der Leichnam zum Objekt menschlicher Schaulust gemacht wird, ist unvereinbar mit dem Respekt, den wir auch einem toten menschlichen Körper schulden.“ Dieser Respekt ist mit dem Gesetzbuch nicht einklagbar und die Freiheit der Kunst kann schamlos ausgelotet werden. Wer diese Präsentationen ablehnt, sollte seine Neugier überwinden und nicht hingehen.

Meert und Dieter Stoll aus Guben äußern Kritik:
Weltweit operieren mehrere Organisatoren auf dem „Leichenmarkt“ . Neben von Hagens sind der Herr Gerhard Pernes oder Genlife Biomedical Aktiv. Sie operieren unter den Namen: Body Worlds (von Hagens), Body Exploration, Bodies The Exhibition Revealed, The Universe Within usw.
All' diese Organisationen haben eines gemeinsam: Alle haben die Plastination erfunden, alle Körper sind sich ähnlich in ihrer Pose und den asiatischen Gesichtszügen. Selbst die Reklame ähnelt sich und die Angebote von Hemden und Schirmmützen im Internet gleichen sich.
Eine Ausnahme ist Herr von Hagens. Er stellt die Plastinate in besonders extremer Pose dar. Andere Organisationen distanzieren sich auch scharf von von Hagens. Es drängt sich die Frage auf, ob diese Plastinate an einen zentralen Platz in China hergestellt werden, welche danach an die Organisatoren verkauft werden. Es ist auch möglich, dass die chinesischen Hersteller via von Hagens in Europa probieren, Fuß zu fassen und Guben nur als Deckmantel genutzt wird. Herr von Hagens will eine Million Scheiben pro Jahr (in fünf Jahren) von Mensch und Tier herstellen. Nehmen wir an, dass die Hälfte von Menschen sind. Aus einer Leiche produziert er zwanzig Scheiben (seine eigenen Worte). Das sind dann 25 000 Leichen (von wo kommen die Leichen„).
Oder anders gesagt: Jeden Arbeitstag werden zirka 100 Leichen zersägt. Da die Scheiben nur zwei Millimeter dick sind, gebraucht er nur zehn bis 20 Prozent einer Leiche. Der Rest ist Abfall.
Wenn wir davon ausgehen, dass eine Leiche 65 Kilo wiegt, haben wir (zirka 50 Kilo mal 100 Leichen) 5000 Kilo Abfall pro Tag!
Diese menschlichen Reste (Biomüll“) müssen entsorgt werden. Dazu kommen noch die Reste der Tiere. Ein gigantisches Umweltproblem.
Da Herr von Hagens nach eigenen Worten die Scheiben (ausgehend von 500 000 Stück pro Jahr), für 7000 Euro pro Stück verkauft, hat er einen Umsatz von 3 500 000 000,00 Euro!
Nicht mitgerechnet der Erlös von den Tierscheiben. Wenn von diesen 3,5 Milliarden Euro nur zehn Prozent in die Stadtkasse gehen, sind das doch noch 350 Millionen Euro im Jahr.
Bewusst haben wir die ehtische Frage und das Problem der Arbeitsplätze nicht angeschnitten.
Glauben Sie jetzt noch von Hagens?

Monika Retzlaff aus Niedergörsdorf, OT Altes Lager, schreibt: Die ganze Aufregung um die Totenkopf-Fotos der Soldaten in Afghanistan erscheint ziemlich übertrieben und verlogen. Denn mitten in Deutschland darf ein Gunther von Hagens Tote schänden und verdient damit sogar noch Millionen.
Seine Leichenschau "Körperwelten" fand hierzulande millionenfachen Zulauf. (. . .) Nun ist ihm in Guben erlaubt, seine Leichenschändungen im großen Maßstab durchzuführen (. . .) Der Leichenfledderer von Guben bietet Bundeswehrsoldaten an, sich kostenlos in einem Cabrio mit einem Skelett ablichten zu lassen. Er plant eine Jugendherberge, damit Schulklassen auch weite Anreisen nicht scheuen müssen, wenn sie die putzig arrangierten Leichen besichtigen möchten. Und dass einer solche kranken Pläne umsetzen darf, wird in diesem Staat erlaubt!
Da fragt man sich, wie lange es noch dauert, bis unter der Überschrift "Kunst" oder "Wissenschaft" Kinderpornos offiziell verkauft werden dürfen (. . .)