Laut Rupprecht soll es eine "Werte-Offensive" geben; bis Mitte 2007 solle konkretisiert werden, "was wir machen, was wir erreichen wollen".
Erste Vorstellungen gibt es. So will das Brandenburger Handwerk verstärkt Praktika für lernunwillige Schüler anbieten, für Kinder und Jugendliche aus schwierigen sozialen Verhältnissen, die sich aufgegeben haben oder aufgegeben wurden. "Solche Kinder zu motivieren, schafft Schule allein nicht", sagte Rupprecht. Er wies auf die zweischneidigen Ergebnisse der jüngsten "Brandenburger Jugendstudie" hin, nach der die Mehrheit der Kinder leistungsbereit und sozial orientiert ist und Gewalt ablehnt. Es gebe aber eine stabile Minderheit "von zehn bis 20 Prozent Außenseitern", die zu Gewalt, rechtsextremen oder ausländerfeindlichen Einstellungen neigten.
Das Ministerium selbst will Schulverweigerer-Projekte ausweiten, die Lehrerausbildung stärker pädagogisch ausrichten und "Schulverfassungen" unterstützen. Auch werde man darauf achten, dass musisch-kreative Fächer im Zuge der Pisa-Debatten nicht an den Rand gedrängt werden, sagte Staatssekretär Burkhard Jungkamp.
Einen Grundkonsens des Runden Tisches beschrieb Rupprecht so: "Wer erziehen will, muss selbst Vorbild sein." Allerdings bestritt er nicht, dass es dabei in Zeiten, wo die Landesregierung einen "Wortbruch" beim Weihnachtsgeld zugebe, die Wirtschaft über Schwarzarbeit und schlechte Zahlungsmoral klage, der Sport mit Doping-Vorwürfen kämpfe, ein gewisses Spannungsverhältnis gebe. Doch "was uns scheinbar schwach macht, macht uns stark", sagte der Minister, "keiner ist ohne Makel." Entscheidend aber sei, so ein Teilnehmer, dass man sich mit den Fehlern nicht abfinde.
Derweil hat die oppositionelle Linkspartei.PDS den Entwurf für das neue Schulgesetz scharf kritisiert. Die Novelle sei ein Schritt in die völlig falsche Richtung und werde deshalb von ihrer Fraktion abgelehnt, sagte die bildungspolitische Sprecherin, Gerrit Große, gestern in Potsdam. Die Koalition aus SPD und CDU verspiele damit für weitere Jahre die Chance, eine zukunftsfähige Schule auf den Weg zu bringen.
Das Gesetz soll nach einer rund einjährigen Debatte am Freitag vom Landtag verabschiedet werden. Die Novelle gilt als Antwort der Landesregierung auf die schlechten Pisa-Ergebnisse der Schüler. Es ist bereits die 16. Änderung des Schulgesetzes seit 1990. Hauptkritikpunkt der Linkspartei ist die Einrichtung der Leistungs- und Begabungsklassen für besonders gute Schüler. Sie werden vom nächsten Schuljahr an an 31 Standorten eingerichtet. Die Spezialklassen führen bereits ab der 5. Klasse nach zwölf Schuljahren zum Abitur.
Damit werde die sechsjährige Grundschule gefährdet, betonte Große. Die Linkspartei habe 31 Anträge zur Änderung des Schulgesetzes eingebracht, die jedoch alle von den Koalitionsfraktionen abgeschmettert worden seien. (Eig. Ber./thm/dpa)