| 07:00 Uhr

Rund 25 Polizisten aus Brandenburg und Sachsen verletzt

Polizisten stehen am 07.07.2017 im Schanzenviertel in Hamburg.
Polizisten stehen am 07.07.2017 im Schanzenviertel in Hamburg. FOTO: Bodo Marks (dpa)
Hamburg/Potsdam/Dresden. Fast 500 verletzte Polizisten sind am Wochenende bei den schweren Ausschreitungen rund um den G20-Gipfel in Hamburg verletzt worden. Darunter befindet sich auch ein Schwerverletzter aus Sachsen. bob/mit dpa

Beim Polizeieinsatz am Rande des G20-Gipfels in Hamburg sind rund 20 sächsische Beamte verletzt worden. Einer habe schwere Verletzungen am Kopf erlitten, teilte das Innenministerium in Dresden am Sonntag mit. "Es war ein unglaublich anstrengender Einsatz. Er wird den Beamten noch lange in Erinnerung bleiben", sagte ein Ministeriumssprecher. Den Angaben zufolge waren rund 600 sächsische Spezialkräfte sowie Verkehrs- und Bereitschaftspolizisten in Hamburg dabei.

Von den in Hamburg eingesetzten Polizisten aus Brandenburg wurde niemand ernstlich verletzt. Das teilte Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) mit. Fünf leichte Verletzte wurden gemeldet. Aus Brandenburg waren über 500 Beamte im Einsatz. Dazu zählen drei Hundertschaften der Bereitschaftspolizei, motorisierte Lotsendienste, Wasserschutzpolizei und weitere Experten. Eingesetzt sind die Brandenburger Polizisten unter anderem im Objektschutz für die Staatschefs, etwa von Russlands Präsident Wladimir Putin, wie Mörke am Freitag bestätigte.

Nach Angaben der Polizei gab es rund um den G20-Gipfel in Hamburg 37 Haftbefehle gegen Randalierer, 476 Beamte seien verletzt worden. Insgesamt waren mehr als 20 000 Polizisten im Einsatz. Über verletzte Demonstranten gab es keine Angaben.

Der Präsident der Bundespolizei, Dieter Romann, erwartet Urteile mit abschreckender Wirkung gegen die Gewalttäter von Hamburg. Gesehen habe man eine "neue Dimension linksterroristischer und autonomer Gewalt", sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Mit bedingtem oder bewusstem Tötungsvorsatz musste man nicht rechnen." Auf die Justiz komme die Aufgabe zu, Polizisten vor einer Wiederholung zu schützen.

Wenn die Hundertschaften anrückten, zerstreuten sich die Gruppen in Hamburg oft und verstecken sich in Nebenstraßen. Sobald die Polizei sich aus einer Straße zurückzog, bauten sie neue Barrikaden auf und zündeten wieder Mülleimer an.

Mehrere Vermummte warfen Flaschen auf Häuser, aus denen ihnen "Haut ab" entgegengerufen wurde. In mehreren Stadtteilen wurden der Polizei zufolge Autos in Brand gesetzt. Schwer bewaffnete Spezialeinsatzkräfte der Polizei zogen zeitweise am Rande des Schanzenviertels auf, griffen aber nicht ins Geschehen ein.

In der Nacht zum Samstag war es im Schanzenviertel zu schweren Krawallen und Plünderungen von Geschäften gekommen. Die Randalierer hatten zunächst mehrere Stunden lang freie Hand, bis die Polizei mit einem massiven Aufgebot samt Spezialeinsatzkräften einrückte.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) verteidigte die Vorgehensweise der Polizei. "Bei diesem Ausmaß an völlig enthemmter Gewalt, die nur darauf gerichtet ist, willkürlich möglichst große Schäden auch bei völlig unbeteiligten Bürgern zu verursachen, kann trotz aller Konsequenz und auch bei bester Vorbereitung nicht jede Ausschreitung erfolgreich sofort unterbunden werden", sagte er der "Bild am Sonntag". Man habe erst "robuste Kräfte heranführen" müssen.

In der dritten Nacht der gewalttätigen Proteste, griff die Polizei dann frühzeitig durch. "Unbeteiligte sollten sich unbedingt aus dem Bereich entfernen", warnte sie. Die Räumung der Straßen im Schanzenviertel wurde mit Angriffen auf Einsatzkräfte begründet. Zudem seien bei einer Sparkassen-Filiale Fenster zu Bruch gegangen. Der S-Bahn-Verkehr in der Innenstadt war erneut zeitweilig gestört, dann wurden alle Sperrungen aufgehoben.