Eine gute halbe Stunde plauderten Struck und Rumsfeld gestern in München - an dem Ort, an dem das eh schon angespannte deutsch-amerikanische Verhältnis vor einem Jahr weiter eskaliert war. Nun verständigten sich die einstigen Streithähne darauf, einen Schlussstrich unter die Querelen zu ziehen, wie es von US-Seite hieß.
Wutentbrannt hatte Rumsfeld vor einem Jahr die Münchner Sicherheitskonferenz verlassen, nachdem Deutschland und Frankreich trotz allen Zuredens weiter auf ihrem "Nein" zu einem Irak-Krieg beharrt hatten. Der US-Minister nannte Deutschland damals sogar in einem Atemzug mit Libyen und Kuba und sorgte damit für einen Affront.
In diesem Jahr sah die Lage deutlich entspannter aus. Struck und Rumsfeld gaben sich beim gemeinsamen Händedruck betont locker.

Abstimmung bei Truppenabbau
Die beiden Verteidigungsminister verständigten sich auf eine gemeinsame Initiative, die ein drohendes innenpolitisches Feuer zumindest etwas eindämmen könnte. Die Deutschen und Amerikaner wollen sich beim Truppenumbau abstimmen: Wo die US-Streitkräfte Soldaten aus Deutschland abziehen, sollen nicht auch noch unbedingt Standorte der Bundeswehr geschlossen werden. Die gemeinsame Initiative werde sicher manchen Landespolitiker und Kommunalpolitiker freuen, meinte Struck. Bessere Nachrichten konnte er aber auch nicht verkünden: Am Abzug von US-Soldaten bestehen "keine Zweifel". Noch in diesem Jahr wollten beide Seiten ihre Beschlüsse vorlegen, bis 2010 solle der Truppenumbau gemeinsam abgeschlossen sein.
Solch eine Zusammenarbeit dürfte ganz im Sinn des neuen Nato-Generalsekretärs Jaap de Hoop Scheffer sein. Dieser sah gestern in München bei einem informellen Treffen zum ersten Mal alle 19 Verteidigungsminister des Bündnises an einem Tisch versammelt. Die Runde unmittelbar vor der heute beginnenden zweitägigen Sicherheitskonferenz ist ein Novum. Sie soll jetzt eine ganze Reihe von Treffen einläuten, die die Unstimmigkeiten innerhalb der Nato endgültig beseitigen und das Bündnis wieder auf eine gemeinsame Linie einschwören sollen. Er hoffe auf eine "sehr gute Atmosphäre" in München, hatte Scheffer schon im Vorfeld betont.
Zumindest für dieses Wochenende könnte es viel zur Harmonie beitragen, dass das Thema Irak derzeit weitgehend auf Eis liegt. Scheffer nannte es bei seinem Antrittsbesuch bei Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) in Berlin kurz vor seinem Abflug nach München erneut zu früh für eine Entscheidung über die Rolle der Nato in Irak. Eine Grundsatzentscheidung wird erst im Juni beim Istanbuler Nato-Gipfel erwartet.
So konnte auch Struck dem Thema Irak ausweichen und stattdessen ein Kompliment von Seiten Rumsfelds verbreiten: Dieser habe "sehr begrüßt", dass das Eurokorps bereit ist, die Führung der Internationalen Schutztruppe für Afghanistan in Kabul im August zu übernehmen.

Aber bedauern will er nichts
Doch während Struck, der nach dem Gespräch alleine vor die Kameras getreten war, damit Gutwetter machte, erinnerte Rumsfeld noch einmal frech an den alten Streit: "Ich bedauere es nicht", sagte Rumsfeld vor Journalisten zu seiner polemischen Bezeichnung Deutschlands und Frankreichs als "das alte Europa", mit der er den Konflikt angeheizt hatte.