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Ruheständlern winkt weiteres Rentenplus

Damit die Rente später tatsächlich zum Leben reicht, fordert die Regierung die Bundesbürger zu privater Vorsorge auf.
Damit die Rente später tatsächlich zum Leben reicht, fordert die Regierung die Bundesbürger zu privater Vorsorge auf. FOTO: dpa
Berlin. Auch im kommenden Jahr werden die Renten steigen – voraussichtlich allerdings weniger stark als 2016. Zugleich sinkt das Rentenniveau. Die Regierung mahnt vor diesem Hintergrund zu privater Vorsorge für das Alter. Stefan Vetter

Die rund 20 Millionen Rentner in Deutschland können sich auch im kommenden Jahr auf eine Anhebung ihrer Altersbezüge freuen. In den alten Ländern dürfte die gesetzliche Rente in einer Größenordnung von 2,3 Prozent steigen. In Ostdeutschland wird mit einem Zuwachs von 2,58 Prozent gerechnet.

Zusammen mit der jüngsten Erhöhung vom Juli dieses Jahres würden die Altersbezüge dann innerhalb von zwei Jahren um gut 6,5 beziehungsweise 8,5 Prozent steigen. Die Deutsche Rentenversicherung bestätigte am Mittwoch auf Anfrage Berichte, wonach diese künftigen Rentenanpassungen im Haushaltsplan 2017 der Behörde enthalten sind.

Dieser Plan wurde am Mittwoch auch vom Bundeskabinett gebilligt. Allerdings handele es sich nur um vorläufige Daten, die sich aus der Juli-Schätzung ergäben, so eine Sprecherin. Die genaue Rentenerhöhung werde erst im Frühjahr 2017 feststehen.

Bereits in ihrem Rentenversicherungsbericht vom Herbst 2015 - eine Neuauflage wird in wenigen Wochen erwartet - hatte die Bundesregierung allerdings schon eine Anpassung ungefähr in dieser Höhe prognostiziert. 2,3 beziehungsweise 2,58 Prozent würden zu den größeren Steigerungen in den vergangenen 15 Jahren zählen. So mussten die Rentner zum Beispiel zwischen 2004 und 2006 gleich drei Nullrunden in Folge hinnehmen.

Auch 2010 gab es keine Erhöhung, und im Jahr darauf waren die Renten in Ost und West nur minimal um jeweils 0,99 Prozent gestiegen. Ein "Ausreißer" nach oben in der Statistik war die Rentenanpassung im Juli dieses Jahres. Mit 4,25 Prozent in den alten und 5,95 Prozent in den neuen Bundesländern gab es das stärkste Rentenplus seit 23 Jahren. Grundsätzlich folgen die Renten der Lohnentwicklung. Rentensteigernd wirkt auch die hohe Beschäftigtenzahl. Hauptverantwortlich für den besonders kräftigen Rentenschub im Juli war allerdings ein statistischer Eimaleffekt. Dadurch war die Rentensteigerung 2014 (2,1 Prozent im Westen und 2,5 Prozent im Osten) etwas niedriger ausgefallen. Umso mehr legten die Renten deshalb im laufenden Jahr zu.

Jenseits dieser positiven Entwicklung zeichnet sich allerding schon länger ab, dass die gesetzlichen Altersbezüge den gewohnten Lebensstandard in Zukunft nicht mehr garantieren können.

Um die Beiträge trotz zunehmender Alterung der Gesellschaft bezahlbar zu halten, hatte die frühere rot-grüne Bundesregierung im Jahr 2004 ein Gesetz zur Absenkung des Rentenniveaus beschlossen. Dadurch steigen die Altersbezüge langfristig langsamer als die jeweils aktuellen Löhne.

Vor diesem Hintergrund erinnert die Bundesregierung in ihrem noch unveröffentlichten "Alterssicherungsbericht" daran, dass das Versorgungsniveau der künftigen Ruheständler "ohne zusätzliche Altersvorsorge in den kommenden Jahren deutlich zurückgehen" wird. Besonders für Geringverdiener bestehe hier "ein erhebliches Risiko", heißt es in dem Bericht, der am Mittwoch in Auszügen bekannt wurde. Viele Rentner hätten allerdings auch Zusatzeinkünfte, knapp ein Drittel zum Beispiel aus der betrieblichen Altersvorsorge, so der Bericht. Im Schnitt bekämen sie dadurch monatlich brutto 418 Euro.

Der Alterssicherungsbericht dürfte die Debatte über eine drohende Altersarmut weiter anheizen. Im November will Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) ein Reformkonzept zur Sicherung auskömmlicher Altersbezüge vorlegen. Für morgen ist ein Treffen der Unionsspitzen zu diesem Thema anberaumt. Dabei wollen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und CSU-Chef Horst Seehofer ein eigenes Konzept erstellen, um darüber mit den Sozialdemokraten zu verhandeln.