In seiner Eigenschaft als CDU-Vize und nordrhein-westfälischer Ministerpräsident fordert er: "Wir müssen uns von einigen Lebenslügen verabschieden. Arbeitszeitverkürzungen führen nicht automatisch zu weniger Arbeitslosigkeit. Auch die Behauptung, dass Steuersenkungen zu mehr Investitionen und damit zu mehr Arbeitsplätzen führen, ist in dieser Einfachheit nicht richtig."
Rüttgers hatte in dem Interview zudem kritisiert, der Bundestagswahlkampf im vergangenen Jahr sei "unterphilosophiert" gewesen. "Wir haben zu viel über Flat Tax und zu wenig über die Menschen geredet." Die CDU sei "keine kapitalistische Partei. Das war sie nicht, das ist sie nicht und darf sie nicht werden. Sie ist eine Wertegemeinschaft, die nicht nur am Materiellen hängt. Tut sie es doch, geht sie unter." Nach diesem Interview entwickelte sich in der Union eine kontroverse Debatte über Inhalte und Ausrichtung.
Auf dem Grundsatzkongress in Berlin erneuerte Rüttgers seine kritischen Positionen zur Ausrichtung der CDU. Er habe das, was er gesagt habe, durchaus ernst gemeint, sagte Rüttgers. "Es tut der Debatte gut, dass sie öffentlich geführt wird." Eine Auseinandersetzung sei nötig, "damit die CDU Volkspartei bleibt". Bei der Auseinandersetzung in der CDU dürfe es nicht um eine Hierarchie der Werte gehen. Freiheit und Solidarität müssten gleichrangig bewertet werden. (dpa/roe)