Im Moment des Sieges fiel die zuvor oft gezeigte Anspannung von Jürgen Rüttgers ab. „Ich weiß, dass die Wählerinnen und Wähler uns heute Vertrauen geschenkt haben“, sagte der 53-Jährige. „Ziel unserer Politik wird es sein, aus NRW ein Land der Chancen zu machen“, fügte Rüttgers hinzu, nachdem schon die ersten Hochrechnungen seinen Erfolg und den seiner CDU klar verkündeten. Als politische Schwerpunkte für die kommenden fünf Jahre nannte der designierte Ministerpräsident den Kampf um Arbeitsplätze und die Bildungspolitik.

Mit Familie, für Familien
„Ich traue mir das zu“, hatte der CDU-Spitzenmann im Wahlkampf immer wieder seinen Anhängern versichert. Die bedingungslose Attacke auf den politischen Gegner war dagegen nie seine Stärke. Lieber präsentierte sich der künftige Ministerpräsident des bevölkerungsstärksten Bundeslandes als Familienmensch und bürgernaher Landesvater in spe. „Jürgen Rüttgers – einer mit Familie, einer für Familien“ warb die Landes-CDU für den verheirateten Vater von drei Söhnen. Nun ist Rüttgers am Ziel: Mit etwa 45 Prozent der Stimmen zog seine CDU klar an der SPD mit rund 37 Prozent vorbei und brach damit nach 39 Jahren deren Vorherrschaft an Rhein und Ruhr.
Noch vor fünf Jahren hatte sich Rüttgers dem damaligen Düsseldorfer SPD-Regierungschef Wolfgang Clement geschlagen geben müssen. Nicht wenige gaben ihm damals eine Mitschuld an der Wahlniederlage: Immerhin war dessen „Kinder statt Inder“-Kampagne gegen die Anwerbung ausländischer Computerexperten bei vielen Wählern auf wenig Gegenliebe gestoßen.
Der Fußballfan und Anhänger des 1. FC Köln galt in der Union schon frühzeitig als Vorzeige-Christdemokrat: Als begabter und vergleichsweise junger Politiker wurde der Sohn eines selbstständigen Elektrikers immer wieder mit wichtigen Positionen betraut. Schon früh engagierte er sich in der Union; 1980 wurde er nordrhein-westfälischer Landesvorsitzender der Jungen Union.
Nach der Bundestagswahl 1987 kam Rüttgers über die NRW-Landesliste ins Bonner Parlament. Er widmete sich der Forschungspolitik und wurde 1989 einer von fünf Geschäftsführern der Unionsfraktion. Ende 1991 rückte er zum Ersten Geschäftsführer der CDU/CSU-Fraktion auf. Als rechte Hand des damaligen Fraktionschefs Wolfgang Schäuble gehörte er zum engeren Führungszirkel der schwarz-gelben Regierungskoalition und wurde immer wieder genannt, wenn Ämter zu vergeben waren. Als dann im November 1994 das neue und zugleich letzte Kabinett unter CDU-Kanzler Helmut Kohl gebildet wurde, bekam Rüttgers den Posten des „Superministers“ für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie, schaffte es aber nicht, sich als „Zukunftsminister“ nachhaltig zu profilieren.

Aus der Bundes- in die Landespolitik
Nach dem Sieg von Rot-Grün und der Abwahl von Kohl bei der Bundestagswahl 1998 konzentrierte sich Rüttgers auf die nordrhein-westfälische Landespolitik: In einer Kampfabstimmung um den Posten des Landesparteichefs setzte sich der promovierte Jurist im Januar 1999 im zweiten Wahlgang gegen den damaligen Landtagsfraktionschef Helmut Linssen durch. Bei der gestrigen Landtagswahl zogen die Kontrahenten von damals wieder an einem Strang. Und sie hatten Erfolg.