„Der Shuttle ist verloren“, sagte ein Beamter der Raumfahrtbehörde NASA in Houston (Texas) dem Nachrichtensender CNN. US-Präsident George W. Bush rief seine Berater auf dem Landsitz Camp David bei Washington zu einer Eilsitzung zusammen.

Auf einem Fernseh-Video war deutlich zu sehen, wie der älteste Raumtransporter der NASA-Flotte über der texanischen Stadt Dallas zerbrach. Zeugen berichteten, sie hätten einen lauten Knall gehört. Die NASA warnte die Bevölkerung davor, sich irgendwelchen Trümmerteilen zu nähern. Sie könnten giftiges Material enthalten, sagte Sprecher James Hartsfield. Trümmerfunde sollten den Behörden gemeldet werden. In der Umgebung von Dallas wurden Rettungs- und Bergungsmannschaften alarmiert.

Ein US-Regierungsbeamter sagte, es sei „höchst unwahrscheinlich“, dass es einen Zusammenhang des Unglücks mit Terrorismus gebe. Die Columbia flog mit einer Geschwindigkeit von 20 100 Stundenkilometern in einer Höhe, die nach Aussagen von Experten für einfache Raketen unerreichbar ist. Aus Angst vor Anschlägen waren beim Start und bei der geplanten Landung in Cape Canaveral die bisher strengsten Sicherheitsvorkehrungen bei einer solchen Mission angeordnet worden.

Zuletzt hatte sich die Besatzung gegen 15.00 Uhr MEZ gemeldet, sagte ein NASA-Sprecher. Bis dahin habe es keine Hinweise auf Probleme gegeben. Der Shuttle sollte um 15.16 MEZ auf dem Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida nach 16 Tagen im All landen. Die Astronauten hatten rund um die Uhr mehr als 80 wissenschaftliche Experimente ausgeführt.

Unter ihnen befand sich der erste israelische Astronaut, Ilan Ramon. Der 48-jährige Sohn einer Auschwitz-Überlebenden wollte nach eigenen Worten mit seinem Flug dazu beitragen, dass seine Landsleute ihre Probleme wenigstens für eine kurze Zeit vergessen. Obwohl er selbst kein streng gläubiger Juden sei, wolle er im All ein Zeichen setzen.

Die Amerikaner werden keinen Shuttle mehr hochschicken, bevor der Fehler gefunden ist“, sagte der Programmdirektor Raumfahrt beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), Volker Liebig, am Samstag der dpa in Köln.

Auch der für Oktober 2004 geplante Ausbau der ISS mit dem europäischen Columbus-Modul sei nun gefährdet. Darüber hinaus sei der Einsatz von vier deutschen Astronauten, die in Köln für baldige Missionen ausgebildet werden, nun möglicherweise in weite Ferne gerückt.

Bisher habe es mit den Shuttles, abgesehen von der Challenger- Katastrophe, keine Probleme gegeben, so Liebig weiter. Durch die extremen Belastungen beim Wiedereintritt in die dichte Atmosphäre in etwa 150 Kilometern Höhe hätten sich zwar des öfteren Kacheln vom Hitzeschild gelöst. „Das war aber nie eine ernsthafte Beschädigung“, meinte Liebig.