Der Grund ist viel simpler: Die Medizinerin lebt mit ihrer Familie in Berlin, als sie dort kurzfristig ein Job-Angebot bekam, ließ sie die Anstellung in Eberswalde wieder sausen.
Derartige Erfahrungen muss der leitende Chefarzt des Forßmann-Krankenhauses, Eckart Braasch, häufig machen. "70 Prozent unserer 140 Ärzte stammen aus der Hauptstadt, kommen nur zur Arbeit zu uns. Sobald sie dort ein Angebot bekommen, sind sie weg", beschreibt er die enorme Fluktuation. Allein zehn bis 15 Assistenzärzte müssten jedes Jahr neu eingestellt werden, derzeit sind elf Mediziner-Stellen unbesetzt. "Wir wussten, wir müssen dem chronischen Ärztemangel auf wirksame Weise begegnen", erläutert Harald Kothe-Zimmermann, Geschäftsführer der Gesellschaft für Leben und Gesundheit (GLG), die neben dem Forßmann-Krankenhaus noch drei weitere Kliniken, zwei medizinische Versorgungszentren und ergänzende Einrichtungen im Barnim betreibt.
Und so kommt die aus Eberswalde stammende Medizinstudentin Anne Moll jetzt als erste in den Genuss eines außergewöhnlichen Stipendienprogramms der GLG. Die 27-Jährige wird mit monatlich 500 Euro unterstützt, dafür verpflichtet sie sich nach dem Studienabschluss an der Berliner Humboldt-Universität mindestens für drei Jahre an das Forßmann-Klinikum zurückzukehren. "Ich habe hier bereits meine Praktika absolviert und könnte später in meinem Wunsch-Fachgebiet, der Rheumatologie arbeiten", schwärmt die Studentin im 7. Semester.
Grundlegende Ursache für den allgemeinen Brandenburger Ärztemangel ist nach Ansicht des Eberswalder Chefarztes Braasch, dass keine Brandenburger Hochschule Medizin als Studienfach anbietet. "Jugendliche mit dem Berufswunsch Arzt müssen zum Studieren ihre Heimat verlassen, in anderen Bundesländern neu anfangen. Die meisten kommen nach dem Uni-Abschluss auch nicht wieder zurück", macht er deutlich. Mit ihrer speziellen Art der Nachwuchsbindung will die GLG deshalb schon an die Brandenburger Abiturienten heran. Sie sollen gezielt für ein Medizinstudium begeistert, ihnen gleichzeitig eine berufliche Perspektive und damit Sicherheit in der Region geboten werden. Es beruhige schon, nicht noch während der wichtigen Examen zum Studienabschlusses zeitraubend Bewerbungen schreiben und einen Job suchen zu müssen, bestätigt Studentin Moll.
Insgesamt fünf Stipendien darf der GLG-Geschäftsführer nach Zustimmung des Aufsichtsrates pro Jahr vergeben, neben Anna Moll werden heute vier weitere Studenten einen Vertrag inklusive finanzieller Unterstützung und Job-Perspektive bekommen. "Das ist eine Investition die sich rechnen wird. Seit Bekanntwerden unseres Stipendien-Projektes erfahren wir eine Riesen-Resonanz", freut sich Kothe-Zimmermann. Selbst aus Lübeck habe sich eine in Eberswalde aufgewachsene Medizinstudentin gemeldet. Im Februar nächsten Jahres wird Kothe-Zimmermann verstärkt in Gymnasien und Gesamtschulen der Region nach geeignetem Ärztenachwuchs gehen.