Bisher erinnerte lediglich eine Gedenktafel am ehemaligen Wohnhaus an die 1973 nur 39-jährig gestorbene Autorin, die in ihrem Roman "Franziska Linkerhand" den Aufbau der Stadt verewigte. Heute wird nur wenige Meter von ihrer ehemaligen Wohnung entfernt eine Begegnungsstätte eröffnet.
"Die Tochter der Stadt ist zurückgekehrt", sagt der Chef des Hoyerswerdaer Kunstvereins, Martin Schmidt. Er ist der Initiator der Begegnungsstätte, die auch als Studienort dienen soll. Die echte Rei mann-Wohnung war jedoch belegt, sodass identische Räume im Nebenhaus bezogen wurden. Seit 1999 gibt es in Neubrandenburg, wo die Autorin ihre letzten Lebensjahre verbrachte, ein Reimann-Literaturhaus.
In Hoyerswerda atmet das furnierte Mobiliar in ihrem nachgestalteten Arbeitszimmer den Charme der 60er-Jahre. Die Einrichtung soll Schmidt zufolge lediglich das Lebensgefühl jener Zeit vermitteln. Auf dem Schreibtisch zeigt ein Foto die Schriftstellerin Anna Seghers. Eine alte Schreibmaschine der Marke "Urania", eine wie sie auch Brigitte Reimann benutzt haben soll, steht bereit. Bilder zeigen das Original-Arbeitszimmer mit Bücherregalen bis unter die Decke. Von der Schriftstellerin selbst stammen eine antike Tischuhr und Bücher, die sie einst einer Freundin geschenkt hatte.
Brigitte Reimann war Anfang 30, als sie 1960 nach Hoyerswerda kam. Im Braunkohlerevier entstand in Plattenbauweise eine neue Stadt. "Sie war voller Visionen", erinnert sich Schmidt, der sie einige Jahre später kennen lernte.
Reimann arbeitete in einer Rohrlegerbrigade im Kraftwerkskombinat "Schwarze Pumpe", um Studien zu treiben. Sie gründete den Zirkel "Schreibender Arbeiter" und schrieb Hörspiele für den Betriebsfunk. Es entstanden die Erzählungen "Ankunft im Alltag" und "Die Geschwister". Der unvollendet gebliebene Roman "Franziska Linkerhand" spiegelt ihr eigenes Leben wider: Das Schicksal einer jungen Architektin, die mit ihren Idealen an der Wirklichkeit scheitert. 1968 zieht sie nach Neubrandenburg. In einer Berliner Klinik stirbt sie 1973 nach schwerer Krankheit.
40 Jahre später sind ersten Plattenbauten in Hoyerswerda bereits wieder abgerissen. Die Einwohnerzahl ging der Stadtverwaltung zufolge von 68 000 im Jahr 1989 auf derzeit 43 000 zurück. Der Kunstverein organisiert Spaziergänge an jene Stätten, die Brigitte Reimann beschrieben hat. Mit ihrem Idealismus habe sie auch der jungen Generation von heute viel zu sagen, glaubt Schmidt. Zur Einweihung des Begegnungszentrums wird unter anderem Reimanns Bruder Ulrich erwartet. Zuvor wird in der Aula des Leon Foucault-Gymnasiums eine Theaterfassung von "Franziska Linkerhand" durch die Neue Bühne Senftenberg aufgeführt.
Infos im Internet:
www.kunstverein-hoyerswerda.de