Trotzdem konnten Rechtsextremisten ihre Positionen ausbauen. In der Niederlausitz sitzen nun ihre Abgeordneten in allen Kreistagen und in der Stadtverordnetenversammlung der kreisfreien Stadt Cottbus. Die Deutsche Volksunion (DVU), die auch im Brandenburger Landtag sitzt, wird nun mit drei statt bisher zwei Abgeordneten im Elbe-Elster-Kreistag vertreten sein.

Im Oberspreewald-Lausitz-Kreis konnte sie ihre zwei Kreistagsmandate verteidigen. Auch die rechtsextreme NPD, die sich zum ersten Mal bei Kommunalwahlen zur Abstimmung stellte, und in Südbrandenburg nicht in Konkurrenz zur DVU antrat, war relativ erfolgreich. Zwei NPD-Abgeordnete in der Cottbuser Stadtverordnetenversammlung, einer in Guben. Zwei NPD-Männer werden im Spree-Neiße-Kreistag sitzen.

Auch im Landkreis Dahme-Spreewald wird die NPD vertreten sein. Hätte die Wahlbeteiligung in der Region nicht deutlich höher als bei der Kommunalwahl 2003 gelegen, hätte der braune Erfolg noch größer ausfallen können.

Ein Blick in die Wahlergebnisse der einzelnen Gemeinden der Region zeigt, relativ hohe, bis zu zweistellige Ergebnisse erzielen rechtsradikale Parteien in den Dörfern und den Plattenbaugebieten von Cottbus. "Ich habe keine Ahnung, ich weiß nicht, warum das so ist", kommentiert Amtsdirektorin Christa Schliebe (CDU) das erneut gute Abschneiden der DVU im Amt Schradenland (Elbe-Elster). So kommt die rechtsextreme Partei in Gröden und Merzdorf auf mehr als zwölf Prozent, in Großthiemig und Hirschfeld auf 7,4 beziehungsweise 8,1 Prozent. Nachvollziehbare Gründe für eine "Protestwahl" rechtsaußen gebe es nicht. Es gehe der Gegend nicht besonders schlecht.

Die Amtsdirektorin weiß jedoch nicht so recht, wo sie bei der Auseinandersetzung mit der DVU anfangen soll. Von den Abgeordneten im Kreistag sei im Schenkenländchen nichts zu spüren. In den Gemeindevertretungen sitze kein einziger DVU-Vertreter. "Ich kann hier keinen von denen greifen, das ist wie Schattenboxen", so Schliebe. Zweistellige Ergebnisse erzielte die DVU auch in einigen Orten im Oberspreewald-Lausitzkreis. Im Altdöberner Ortsteil Reddern waren es 16 Prozent. In einigen Wahlbüros in Lauchhammer wurden mehr als neun Prozent für die DVU ausgezählt.

Überraschung und Entsetzen löste das Abschneiden der NPD bei den Ortsbürgermeistern von Weißack und Beesdau im Amt Heideblick (Dahme-Spreewald) aus. In Weißack schaffte die NPD 15, in Beesdau zehn Prozent. "Da fehlen mir die Worte", so der Kommentar von Edda Vogel, parteilose Dorfchefin von Weißack. Offenen Rechtsextremismus gebe es nicht im Dorf: "Der muss irgendwo im Verborgenen blühen." Arbeitslosigkeit und Aktionen wie der Polizeieinsatz zum Zwangsanschluss eines Grundstücks an das Abwassernetz im nicht weit entfernten Briesensee (die RUNDSCHAU berichtete) hätten den Unmut der Leute jedoch hoch getrieben, so Vogel.

Der Ortsbürgermeister von Beesdau, Lothar Zimmermann (CDU), kann sich auch nicht recht erklären, warum jeder zehnte Wähler in seinem Ort die NPD angekreuzt hat. Vielleicht Protest, vielleicht Frust. "Hier läuft keiner mit ,Heil Hitler‘ durchs Dorf, aber es gibt schon viele Hartz-IV-Empfänger", sagt Zimmermann. Dass die NPD in Dahme-Spreewald bei der Kommunalwahl insgesamt auf 4,6 Prozent kommt, verwundert umso mehr, weil gerade dieser Kreis vom Ausbau des Flughafens Schönefeld zurzeit profitiert.

Alexander Bode, einer der wegen der tödlichen Hetzjagd auf einen Algerier in Guben Verurteilten, wird nicht für die NPD im Gubener Stadtrat oder im Spree-Neiße-Kreistag sitzen. Mit durchschnittlich vier Prozent in Spree-Neiße und 4,6 Prozent in der Stadt Guben zieht die NPD aber in beide Vertretungen ein. Die beiden Kreistagsmandate holte die rechtsextremistische Partei auch im Spree-Neiße-Kreis vor allem auf den Dörfern. In Tauer wählten rund acht Prozent rechtsradikal, in Groß Schacksdorf-Simmersdorf 8,7, in Grießen 7,37, in Atterwasch 6,3 Prozent. Auch in Orten des Amtes Burg und in Tschernitz kam die NPD auf mehr als sieben Prozent der Stimmen.