Um die Fusion parteienrechtlich abzusichern, vollzog der Parteitag in Geseke-Eringerfeld bei Paderborn die Umwandlung in einen eingetragenen Verein zur "WASG e. V". Die Linkspartei will am kommenden Wochenende zum Verein werden. Die Mehrheit der 270 WASG-Delegierten gab zudem ihre Zustimmung, dass die Fusion formal als Beitritt zum größeren Partner stattfinden darf.
Bei der Vorstandswahl hoben die Delegierten nach kontroverser Debatte mit knapper Mehrheit überraschend eine Klausel zur Trennung von Amt und Mandat auf. Der Bundestagsabgeordnete und WASG-Mitbegründer Klaus Ernst hatte dies zur Voraussetzung für seine erneute Kandidatur gemacht. Ernst, der auch Vizevorsitzender der Links-Fraktion ist, und sein Vorstandskollege, der Bundestagsabgeordnete Axel Troost, können die Fusion damit für die Partei zu Ende bringen. Bei der Wahl gab es allerdings einen Dämpfer: Ernst erhielt nur 55,3 Prozent der Stimmen, Trost 53,8 Prozent.

Lafontaine fordert klares Profil
"Es geht darum, dass wir eine gemeinsame Linke zusammenbringen, die ein klares Profil hat", sagte der Linkspartei-Fraktionschef im Bundestag Oskar Lafontaine mit Blick auf die geplante Vereinigung beider Parteien im Sommer 2007. Er forderte zudem, die Linke müsse noch stärker anstelle der Rechtsextremen zur "Auffangbewegung" für die Ausgegrenzten werden. WASG-Parteichef Ernst warb um Kompromissbereitschaft. Die Zugeständnisse gingen für beiden Seiten teils "an die Grenze des Erträglichen", es dürfe aber keine "Dogmen" geben. Lucy Redler, Berliner WASG-Rebellin, hielt entgegen, bei Kernanliegen der Partei sei Dogmatik notwendig. Bei der Wahl zum erweiterten Vorstand fiel sie im ersten Wahlgang durch, schaffte es aber im zweiten.

"Nicht alle Tassen im Schrank"
In der Debatte um die künftige Program matik geriet der Parteitag zu einer Abrechnung mit der Linkspartei in der Bundeshauptstadt. Die WASG-Delegierten verabschiedeten eine Erklärung, in der die Fortsetzung der rot-roten Koalition wegen allzu großer Zugeständnisse abgelehnt wird. Ernst kritisierte, die Berliner Linkspartei habe wohl "nicht alle Tassen im Schrank", als ersten Akt bei der Neuauflage von Rot-Rot den Ladenschluss freizugeben. Lafontaine verurteilte die Politik des Berliner Landesverbands als "Fehlentwicklung", die die Glaubwürdigkeit der Linken gefährde. Forderungen, die Parteifusion von einem Ausstieg aus der Koalition abhängig zu machen, fielen aber durch.
Der mit großer Mehrheit beschlossene Leitantrag sieht die neue Partei als Gegengewicht zu "Neoliberalismus und den Angriffen des Kapitals". "Schlüsselbereiche der Wirtschaft" müssten in öffentliches Eigentum überführt werden, heißt es dort. In der Friedenspolitik stellte der Parteitag klar, dass Kampfeinsätze auch unter UN-Mandat abgelehnt werden. Heftige Diskussionen gab es zur Rolle des "demokratischen Sozialismus". Eine Initiative, wonach sich auch die WASG dazu bekennen sollte, wurde abgelehnt.
Insgesamt fiel der Widerstand gegen die Parteifusion auf dem voraussichtlich vorletzten Bundesparteitag der WASG um einiges schwächer aus als im Mai in Ludwigshafen. Erstmals war die Mehrheit der Delegierten von Mitgliedern bestimmt, die nach Einleitung der Fusion eingetreten waren. Die endgültige Entscheidung zur Fusion fällt im März bei Parteitagen in Dortmund und in anschließenden Urabstimmungen.