Zwischen Anklage, Nebenklägern und Verteidigern gingen die Meinungen jedoch weit auseinander, wie die nächtliche Verfolgung juristisch zu bewerten sei. Als „Hetzjagd-Prozess“ machte das Verfahren bundesweit Schlagzeilen. Keine Fahrlässigkeit Elf Gubener, zwischen 17 und 20 Jahren alt, wurden angeklagt, acht davon wegen fahrlässiger Tötung des Algeriers vom Cottbuser Landgericht verurteilt. Nur drei bekamen auch wegen anderer Straftaten keine Bewährung. Der Bundesgerichtshof änderte das Urteil später, sah keine Fahrlässigkeit, sondern wertete die Tat als versuchte Körperverletzung mit Todesfolge. Wegen der ohnehin schon langen Verfahrensdauer blieb es jedoch bei der Höhe der Strafen. Ausgangspunkt der tödlichen Verfolgung war ein Streit zwischen einigen der späteren Angeklagten und Vietnamesen in der Discothek „Dance Club“, unweit des Tatortes. Ein Kubaner soll einen Jugendlichen dabei mit einem Messer verletzt haben, eine Bagatellverletzung, wie sich herausstellte. Die späteren Angeklagten machten sich dann mit drei Autos auf die Suche nach einem Dunkelhäutigen, um sich zu rächen. Um ihn der Polizei zu übergeben, versicherten im Prozess einige Verteidiger. Einer der Anwälte sprach von „Räuber und Gendarm spielen“. Springerstiefel im Gericht Farid Guendoul, ein zweiter Algerier und ein Afrikaner liefen den Jugendlichen zufällig in die Hände. Auf der Flucht vor dem Mob wurde einer der Asylbewerber zusammengeschlagen. Guendoul versuchte in Panik, sich in einem Haus in Sicherheit zu bringen. Er trat eine Glasscheibe ein, durchtrennte sich dabei die Schlagader in der Kniebeuge und verblutete. Nur einer der Angeklagten war geständig. Einige kamen mit Glatze und Springerstiefeln zur Verhandlung. Einer wurde von einem Anwalt aus der NPD-Szene vertreten und nahm noch während des Verfahrens an einem Neonazi-Aufmarsch teil. Auch andere Angeklagte fielen wieder auf: Weil sie Blumen am Gedenkstein für ihr Opfer zertraten oder hinter einer Reichskriegsflagge durch Guben marschierten. Einer der Angeklagten, der eine Verwarnung bekommen hatte, beteiligte sich sechs Wochen nach dem Urteil in Guben an einem Angriff auf einen jungen Deutschen mit mongolischer Mutter.