Für die neue Liste seien zum Teil andere Zählmethoden verwendet worden, erläuterte der Landesgeschäftsführer des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu), Wolfgang Mädlow, bei ihrer Vorstellung in Potsdam. Deshalb könne man den alten und neuen Stand nicht direkt miteinander vergleichen. Auf der Roten Liste würden nur Brutvögel erfasst, also nicht jene, die zum Brüten in entfernte Gebiete fliegen oder das Land Brandenburg nur durchziehen.

Erleichtert äußerte sich Umweltstaatssekretär Dietmar Schulze über die gute Entwicklung bei den See- und Fischadlern. Auch die Bestände des Kranichs und des Schwarzmilans hätten sich erholt. „Diese Sorgenkinder konnten wir von der Liste streichen.“ Dort wirkten inzwischen Schutzprogramme. Viel schwieriger seien Maßnahmen zum Schutz des Auerhuhns. Hier werde deutschlandweit mit 80 Projekten versucht, die Bestände zu erhalten. Tausende Eier wurden in Luxemburg gekauft und in Deutschland bebrütet. Die Küken schlüpften zwar, verhungerten aber bald darauf. In Brandenburg ist das Auerhuhn mittlerweile ausgestorben.

Erst nach dem Tod der Küken fanden Wissenschaftler heraus, dass die Tiere in natürlicher Umgebung Bakterien von der Mutter aufnehmen. Diese regeln chemische Prozesse im Darm der Vögel. In der künstlichen Aufzucht fehlten diese Bakterien und die Küken starben. Nabu-Geschäftsführer Mädlow zeigte sich sicher, dass in naher Zukunft erfolgreiche Schutzprogramme für die Auerhühner anlaufen.

Ähnlich anspruchsvoll sind die Seggenrohrsänger, die im unteren Odertal im frisch gemähten Gras brüten. Darauf müssten Landwirte Mädlow zufolge Rücksicht nehmen und dürften ihre Äcker erst sehr spät wieder mähen, ansonsten würden die Nester in den Wiesen zerstört. Für die Seggenrohrsänger trage Brandenburg eine besondere Verantwortung, denn durch die Trockenlegung zahlreicher Moore sei diese Vogelart mittlerweile global bedroht.

Auch in den nächsten Jahren soll die märkische Vogelwelt intensiv gezählt werden. Dafür stehen rund 300 Freiwillige und die Landesvogelwarte bereit. Bisher galt hier immer nur die Seltenheit als ein Faktor zum Einschätzen der Bestände, jetzt werden auch langfristige und kurzfristige negative Trends berücksichtigt. Außerdem fließen Risikofaktoren wie extensive Landwirtschaft und der Verkehr ein.

Weil auch im „Speckgürtel“ der Großstädte immer weniger Vögel zu finden seien, plädierte Mädlow für mehr privates Engagement im eigenen Garten. „Verwenden Sie heimische Gehölze, ruhig mal mit Beeren. Zu starker Ordnungssinn vertreibt die Vögel aus ihren natürlichen Rückzugsgebieten“.