Der Andrang frustrierter Lehrer war groß. Bereits im Vorfeld der jährlichen Personalversammlung des pädagogischen Personals der Regionalstelle Cottbus des Landesschulamtes war für die Veranstaltung nicht wie üblich die Lausitz Arena, sondern die Messehallen, gebucht worden.

Zu Recht, wie sich herausstellte, denn schon am frühen Vormittag bildeten sich lange Schlangen von Bussen aus Elbe-Elster, dem Oberspreewald-Lausitz-Kreis und Dahme-Spreewald vor dem Messegelände, Lehrer aus Spree-Neiße und Cottbus waren zumeist mit dem Auto gekommen und füllten die Parkplätze in der Umgebung.

Ein Grund für die ungewöhnlich hohe Beteiligung der Lehrer liegt in dem neuen Zuschnitt der Regionalstelle, die seit rund einem Jahr auch den Bereich Dahme-Spreewald betreut. Ein weiterer Grund liegt, zumindest nach den Worten des Personalratsvorsitzenden Frank Krämer, an der Erfahrung, dass der Druck der Lehrerschaft in Potsdam tatsächlich Veränderungen bewirken kann. Am Rande der nicht öffentlichen Personalversammlung verwies er auf die jüngsten Erfolge der Personalvertretung: Senkung von Pflichtstunden um eine Stunde pro Woche sowie die Garantie, dass bis 2019 keine zusätzlichen Pflichtstunden angeordnet werden. "Aber dieses Versprechen einzuhalten wird schwierig, wenn die Einstellungspolitik des Ministeriums weiter so schleppend verläuft wie derzeit."

Beim Stichwort "Ministerium" scheinen die Südbrandenburger Pädagogen ohnehin Rot zu sehen: Zu Beginn der Versammlung wurden sie von Kramer nach ihrer Meinung zur Brandenburger Bildungspolitik gefragt. Sie sollten vorbereitete Zettel mit Smileys hochhalten. "Grün" steht für Zufriedenheit, "Rot" für Ablehnung. Man musste kein Hellseher sein, um die Antworten vorauszusagen. Frank Kramer jedenfalls, so erzählen Teilnehmer, habe das Votum trocken kommentiert. "Eine Rote Karte für Potsdam. Doch es ist nicht an uns, der Landesregierung einen Platzverweis auszusprechen."

Die Lehrer fühlen sich nach eigenen Aussagen ausgebrannt, überfordert, zu hoch belastet und wenig wertgeschätzt. So erzählte eine Lehrerin aus dem Elbe-Elster-Kreis von allein fünf Burn-out-Kranken an ihrer Schule, eine Kollegin aus Spree-Neiße klagte ebenfalls über den Ausfall von fünf Kollegen innerhalb eines Schuljahres.

Eine Schulleiterin aus Guben meldete sich im Rahmen der Versammlung ebenfalls zu Wort, bedankte sich bei ihrem "reifen" und "lebenserfahrenen" Kollegium, dass aber entsprechend der Altersstruktur von hohen Krankheitsausfällen belastet wird. So mussten an ihrer Schule allein in diesem Schuljahr pro Klasse und Woche neun Stunden Unterricht vertreten werden - eine Zahl, die von keiner noch so üppig ausgestatteten Vertretungsreserve aufgefangen wird. Skandalös sei dieser Zustand, so die Pädagogin, die unter dem Beifall ihrer Kollegen die Einstellung neuer, vor allem junger Kollegen forderte. Derart ermutigt legte sie noch die eine oder andere Forderung nach: Klassenlehrer sollten Stunden erlassen bekommen, ebenso die Leiter von Fachkonferenzen oder Lehrer, die die Webseiten von Schulen betreuen.

Andere Pädagogen klagten über die mangelnde Unterstützung bei der Betreuung von Integrationskindern, über die neuen Herausforderungen durch Flüchtlingskinder oder die Forderung des Ministeriums, an Fortbildungen zu neuen Rahmenlehrplänen teilzunehmen.

Erstmals haben sich die Lehrervertretungen und Gewerkschaften der Region im Rahmen eines Kooperationsvertrages zusammengeschlossen und stellen gemeinsame Forderungen auf:

Die Wiedereinführung von Altersteilzeit für Beamte und Tarifbeschäftigte ab dem kommenden Schuljahr.

Rechtsanspruch auf Altersteilzeit ab dem 55. Lebensjahr. Bei 50 Prozent Teilzeit sollen 80 Prozent Gehalt gezahlt werden.

Je älter ein Lehrer, umso kürzer sollte die Zahl der Pflichtstunden sein.

Höheres Vertretungsbudget und eine maximale Klassengröße von 23 Schülern.

Höhere Einstiegsgehälter, um für Berufsanfänger attraktiver zu werden.

Es war viel Unmut, den die rund 2000 Teilnehmer da in die Messehallen trugen, allein: Sie blieben unter sich mit ihren Klagen. Wie schon in den vergangenen Jahren waren weder Bildungsminister Günter Baaske (SPD) noch Vertreter seines Ministeriums vor Ort.

Eine Tatsache, die offenbar auch dem Leiter der Regionalstelle Cottbus des Landesschulamtes, Gerald Boese, unangenehm war. Teilnehmer der Versammlung berichteten, dass Boese nach einer ausführlichen Bestandsaufnahme das Ministerium aufforderte, Mehrarbeit von Lehrern künftig zu vergüten, da Freizeitausgleich zu wenig motivierend wirke.

Zudem mahnte Boese einen wachsenden Bedarf an Fachlehrern an, der von Pädagogen, die in Brandenburg ausgebildet werden, nicht zu decken sein wird. Man müsse also auch Seiteneinsteigern die Chance geben, langfristig oder unbefristet eingestellt zu werden.