Zufrieden wie lange nicht trat der Thüringer CDU-Chef Mike Mohring am Mittwoch vor die Kameras. Seine Abrechnung mit der Regierung des Linken Bodo Ramelow zur Halbzeit konnte Mohring dann noch durch eine spektakuläre Personalie krönen. Die bisherige SPD-Landtagsabgeordnete Marion Rosin ist nun Mitglied der CDU-Fraktion. Damit schrumpft die hauchdünne Mehrheit der Koalition aus Linken, SPD und Grünen auf genau eine Stimme.

Die 47-jährige gelernte Lehrerin spricht in einer persönlichen Erklärung von einem "notwendigen Schritt". Sie könne die rot-rot-grüne Bildungspolitik nicht mehr mittragen. Ramelows Koalition werde "durch die dogmatisch-ideologischen Führungskader der Linken geprägt". Rosin wirft Rot-Rot-Grün eine "zentralistische Tendenz" vor. Auch "meine bisherige Partei kann oder will sich dem leider nicht entziehen". Marion Rosin ist auch als Ehefrau des ehemaligen Thüringer SPD-Innenministers Richard Dewes eine prominente Figur in der Thüringer Sozialdemokratie.

Für die SPD kam Rosins Abgang offenbar völlig überraschend. Fraktionschef Matthias Hey berichtete nach ersten Gerüchten schmallippig über ein Fax, mit dem die Abgeordnete ihren Austritt aus Fraktion und Partei ohne Angabe von Gründen mitgeteilt habe. Man habe doch gemeinsam wichtige Akzente in der Bildungspolitik setzen können, er verstehe nicht, wieso Rosin nun "freiwillig auf den Anspruch verzichtet, weiter Bildungspolitik in der Koalition zu gestalten".

Unter den verlassenen SPD-Kollegen wurde der Ton im Laufe des Tages rauer. Rosin sei doch stolz darauf gewesen, in den Koalitionsverhandlungen für Bildung, Wissenschaft und Hochschulen gestritten zu haben, meinte die Abgeordnete Dorothea Marx.

Regierungschef Ramelow twitterte derweil entschlossen: "Die Thüringer Regierung steht und es bleibt auch bei der r2g-Mehrheit im Landtag." Die allerdings besteht nur noch dank des ehemaligen AfD-Abgeordneten Oskar Helmerich, der vor einem Jahr zur SPD wechselte. Somit stehen nun im Landtag 46 Stimmen von Linken, SPD und Grünen gegen 45 von CDU, AfD und drei fraktionslosen Abgeordneten - von denen zwei der AfD von der Fahne gegangen sind. Also exakt das Mehrheitsverhältnis, mit dem die erste rot-rot-grüne Landesregierung im Herbst 2014 startete.

Da allerdings war Ramelows Team noch frisch und hoffnungsfroh. Inzwischen steckt die Regierung knietief im Streit um eine Verwaltungsreform, für die es laut Umfragen im Freistaat keine Mehrheit gibt. Auch im Landtag gibt es laut Medienberichten etliche Kritiker an der inzwischen geänderten Reform in den Reihen der Koalitionsfraktionen.

Knackpunkt ist, dass die Regierung beim Neuzuschnitt von Kreisen und kreisfreien Städten für viel Unmut gesorgt hat. Kreisfreie Städte sollen demnach bis 2035 mindestens 100 000 Einwohner haben. Das bevorteilt beispielsweise die Wissenschaftsmetropole Jena, düpiert dagegen jedoch Weimar und Gera. Das brachte die dortigen Rathauschefs dermaßen auf, dass die Regierung in einem geänderten Reformentwurf nachgab zugunsten der beiden Städte. Was wiederum für Ärger in den Kreisen sorgt, die nicht aneinandergekettet werden wollen.

Zudem muss sich der Justizminister der Grünen, Dieter Lauinger, in einem Untersuchungsausschuss verantworten. Er hatte seinem Sohn mit einem Anruf im Bildungsministerium eine Prüfung ersparen wollen.

Was Ramelow nicht davon abhält, für Rot-Rot-Grün auch im Bund zu werben. So am Montagabend in Berlin beim umstrittenen "Trialog" von Mitgliedern der drei Parteien.