Unter den Linden autofrei, mehr Grün in der Stadt, Übernahme der Strom- und Wärmeversorgung - die angehende rot-rot-grüne Koalition in Berlin hat einige Brocken aus dem Weg geräumt. Doch vor der angestrebten Schlussphase Mitte November stehen jetzt noch zwei Konfliktfelder auf der Agenda: SPD, Linke und Grüne wollen heute über die künftige Wohnungs- und Innenpolitik verhandeln. Die drei Parteien beraten in Berlin über die Bildung der bundesweit ersten rot-rot-grünen Landesregierung unter SPD-Führung.

Vor allem das zweite Thema hat Streitpotenzial. Linke und Grüne lehnen mehr Videoüberwachung für öffentliche Plätze ab. Die SPD hatte dem Vorstoß von CDU-Innensenator Frank Henkel zuletzt zugestimmt. Offen ist auch, was aus Henkels Plänen wird, die Polizei mit Elektroschockern auszustatten. Einig dürfte sich Rot-Rot-Grün sein, dass es mehr Polizisten geben soll. Der von Linken und Grünen langfristig geforderten Abschaffung des Verfassungsschutzes dagegen wird die SPD kaum zustimmen.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hat sich bereits zu Wort gemeldet und fordert von einer künftigen Koalition 3000 neue Polizisten in der Stadt. Die Personaldecke sei viel zu dünn, um die nötige Polizeipräsenz auf den Straßen noch zu gewährleisten, sagte GdP-Sprecher Benjamin Jendro. Von den von Henkel angekündigten 1000 neuen Stellen sei "bisher nichts angekommen".

Vorerst geeinigt hatte sich Rot-Rot-Grün am Samstag auf einen bunten Strauß an Beschlüssen. "Berlin wird grüner" - so fasste Grünen-Fraktionschefin Antje Kapek die Ergebnisse der achten Runde über Energie- und Verkehrspolitik zusammen. Neben Tausenden neuen Straßenbäumen sollen auch Flächen für neue Parks und andere Grünverbindungen gekauft werden.

Die 73 600 Berliner Kleingärten sollen erhalten bleiben. An den Plänen für ein Flussbad zwischen Spree-Insel und Bodemuseum hält Rot-Rot-Grün fest. Aufgenommen wird unter anderem, dass auf dem Boulevard Unter den Linden ab 2019 nur noch Platz für Fußgänger, Radler, Busse und Taxen ist. Ausnahmen soll es für Diplomatenautos geben.