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| 02:44 Uhr

Rolle rückwärts auf dem Zeugenstuhl

J eden Samstag kostenlos Blumen? Klaus-Dieter Hübner wird Bestechlichkeit vorgeworfen .
J eden Samstag kostenlos Blumen? Klaus-Dieter Hübner wird Bestechlichkeit vorgeworfen . FOTO: dpa
Cottbus. Mit der Vernehmung ehemaliger Mitarbeiter eines Garten-Centers ist der Prozess am Landgericht Cottbus gegen den früheren Inhaber und den Gubener Bürgermeister fortgesetzt worden. Eine Zeugin sorgte dabei für Erstaunen. Simone Wendler

Als die ehemalige Kassiererin des Gubener Garten-Centers von der Polizei vernommen worden war, hatte sie den Gubener Bürgermeister Klaus-Dieter Hübner (FDP) belastet. Im Abstand von drei Monaten hatte sie zwei Mal geschildert, dass Hübner aus dem Garten-Center Schuhe mitgenommen und nicht bezahlt habe.

Davon will die 49-Jährige am Mittwoch vor dem Landgericht Cottbus jedoch nichts mehr wissen. Hübner habe bezahlt, versichert sie nun. Als der Vorsitzende Richter sie wegen dieses Widerspruches belehrt, dass sie sich durch eine falsche Verdächtigung strafbar gemacht haben könnte, verstummt die Gubenerin.

Das Gericht will sie mit einem Zeugenbeistand an der Seite zu einem späteren Termin weiter befragen. Vielleicht wird dann die Ursache für ihre plötzliche Kehrtwende deutlich.

In dem Verfahren sind der Gubener Bürgermeister Hübner und der frühere Garten-Center-Chef Horst P. wegen Bestechung und anderer Delikte angeklagt. Der Hauptvorwurf: P. soll über Jahre kostenlos Arbeiten auf Hübners Wochenendgrundstück verrichtet haben. Der Bürgermeister soll sich mit kommunalen Aufträgen revanchiert haben. Beide bestreiten das und schweigen vor Gericht.

Weiter erhärtet wurde am Mittwoch der Vorwurf, dass für Hübner über Jahre am Samstag im Garten-Center zwei kleine Blumensträuße bereitgestellt wurden, die er meist auch abholte und laut Zeugen nicht vor Ort bezahlte oder quittierte. Auch eine Erfassung in einem Bestellbuch, wie bei anderen Kunden üblich, soll es nach Auskunft einer ehemaligen Floristin des Centers nicht gegeben haben.

Auf den Vorhalt der Staatsanwaltschaft, dass sie bei der Polizei ausgesagt habe, Horst P. habe angewiesen, dass Hübner diese Sträuße bekommt, räumt sie ein: "Das kann sein." Sie bestätigt auch, selbst einmal gesehen zu haben, wie Horst P. Hübner mit den Blumen an der Kasse vorbei schickte.

Wie schon an den vorherigen Prozesstagen bestätigen weitere Zeugen am Mittwoch, auf dem Hübner-Grundstück gearbeitet zu haben. Einer davon behauptet, bei verwendeten Heckenpflanzen habe es sich um aussortierte, nicht mehr verkaufsfähige Ware gehandelt.

Der ehemalige Angestellte hatte nach einem Streit zwischen Horst P. und seinem Sohn im Sommer 2011 im Gartencenter gekündigt und noch eine Weile für ein neu gegründetes Gartenbauunternehmen von Horst P. gearbeitet, auch auf dem Grundstück des Bürgermeisters.

Das Garten-Center hat nach Aussage aller bisheriger Zeugen nach dem Ausscheiden von Horst P. keine Arbeiten mehr für Hübner verrichtet oder Blumensträuße für ihn bereitgestellt.

Keine Angaben konnten die bisherigen Zeugen darüber machen, ob und wie Gartenarbeit und Blumen für Hübner abgerechnet wurden. In drei Wochen werden weitere Ex-Mitarbeiter des Garten-Centers aussagen.