19 Jahre, seit dem Wendejahr 1990, war er zunächst als Errichtungsbeauftragter, später als Abteilungsdirektor im Amt. Die Weggefährten sind dementsprechend zahlreich zur feierlichen Verabschiedung mit Jazzbegleitung erschienen, dazu reihen sich Winfrid Alber, Staatssekretär im Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Familie sowie Landtagsabgeordnete Martina Münch (SPD) in die präsentbewehrte Gratulantenschar. Dagmar Ziegler (SPD) überreicht als Sozialministerin nicht nur die offiziellen Entlassungspapiere, sondern fasst auch die Leistung Müllers in ihrer Laudatio zusammen, spricht von der gelungenen "Gratwanderung zwischen sozial Nötigem und ökonomisch Möglichem" im Amtsalltag. Komplex, nicht anonymEr selbst will eigentlich nicht über seine Arbeit reden. "Ich bin eher ein Macher", sagt er entschuldigend. Als Chance, "nach den Jahren der Diktatur dabei mitzuhelfen, demokratische Verhältnisse zu schaffen", habe er auch die Anfänge des LASV begriffen, so der gelernte Diplomingenieur. Größte Herausforderung war der Aufbau einer komplett neuen Verwaltungsstruktur. Gewollt, so Müller, sei eine komplexe Behörde gewesen, die wichtige Funktionen unter einem Dach vereint, "ohne anonym zu werden". Schwerpunkte des LASV bilden Fürsorge, Beratung im Entschädigungsrecht, Gesundheitswesen, Heimangelegenheiten, Integration von Schwerbehinderten und Spätaussiedlern. Die staatliche Organisation dieser Funktionen, wie sie auch in Mecklenburg-Vorpommern und Bayern praktiziert wird, ist für Jürgen Dusel, Leiter des Integrationsamts, ein Vorteil. "Im Gegensatz zu kommunalen Spitzenverbänden gibt es für eine staatliche Behörde weniger Interessenskonflikte, beispielsweise bei der Prüfung von Altenheimen." Wichtiger Standort CottbusAls einen Erfolg seiner Behörde sieht Jürgen Müller insbesondere die geleistete Entschädigung für die Opfer des SED-Regimes. "Diese Schicksale sind mir nahe gegangen", sagt er. Eine DDR-Nostalgie, wie sie teilweise im Wunsch nach einfacheren Strukturen im öffentlichen Leben geäußert werde, sei ihm fremd: "Der Preis dafür war zu hoch." Auch wenn es Einzelfälle gebe, die den langsamen Gang der Behörde kritisierten, "unsere Kundschaft ist im Allgemeinen zufrieden.Wir sind in Cottbus gut aufgestellt", so das Fazit Jürgen Müllers. "Wir haben in der Stadt wichtige Partner, die unsere Arbeit würdigen und begleiten." Erfreulich sei auch, so der gebürtige Thüringer, dass die Behörde am Standort Cottbus gehalten werden konnte und gleichzeitig mit Außenstellen in Frankfurt/Oder und Potsdam landesweit präsent ist. "Es macht keinen Sinn, den gesamten Verwaltungsapparat im Berliner Speckgürtel anzusiedeln." Wer die Nachfolge von Jürgen Müller antritt, soll in spätestens drei Wochen bekanntgegeben werden. "In der Einarbeitungsphase stehe ich natürlich zur Verfügung", so Müller. Der Präsident verabschiedet sich auf Raten. Stefanie Hanus