Peking und London, die Vorgänger Rios, haben zur Eröffnung der Spiele gigantische, teure Shows inszeniert. Rio gibt sich bescheidener: weniger Pomp, weniger Glamour, dafür mit etwa 28 Millionen Euro auch nur halb so viele Kosten wie London 2012. Regisseur Fernando Meirelles zeigt die Geschichte Brasiliens und, was das Land ausmacht: Leichtigkeit, Lebensfreude. Gisele Bündchen darf nicht fehlen, der Samba natürlich auch nicht.

Doch diese Eröffnungsfeier hat mehr zu bieten. Es gibt nach Auftritten von Brasiliens besten Musikern, 1500 Tänzern, der Inszenierung des bunten, lebendigen, Lebens in den Favelas plötzlich den Teil "Nach der Party". Es wird ruhig, Stimmen sind zu hören: "Grönland verschwindet". Es geht um die Folgen der rasanten Erderwärmung. Zahlen und Fakten zeigen eindrücklich, was der Welt bevorsteht, wenn die Menschheit nicht endlich ihren Kampf gegen die Erderwärmung aufnimmt.

Der Zeitpunkt der Botschaft ist klug gewählt. Heute ist "Erdüberlastungstag". Umweltgruppen errechnen den Tag jedes Jahr. Er symbolisiert den Zeitpunkt, ab dem die Menschheit mehr Ressourcen für Nahrung, Wasser oder Energie verbraucht, als die Erde im ganzen Jahr regenerieren kann. Ab heute leben wir über unsere Verhältnisse.

Brasilien inszeniert sich als Kämpfer gegen den Klimawandel, Schützer der Kulturen und Vielfalt. Ein kleiner Junge mit einer kleinen Pflanze sitzt allein im riesigen Rund des Maracana-Stadions. Ein stiller, ein beeindruckender Moment. Auch bei der weiteren Show spielt die Rettung des Planeten eine Rolle. Vor jedem einmarschierenden Land fährt ein mit Blumen verziertes Fahrrad, ein Kind trägt eine Pflanze. Jeder Sportler bekommt einen Samen, damit sollen 11 000 Bäume in einem Park am Reitstadion gepflanzt werden. Ein Zeichen der Nachhaltigkeit, das von Rio ausgeht. Riesigen Jubel gibt es am Ende des 1:50 Stunden langen Einlaufs, als das Flüchtlingsteam unter der Olympischen Flagge das Stadion betritt - auch das eine Botschaft. Für die zehn Athleten hat das Internationale Olympische Komitee eine eigene Mannschaft gegründet. "Wir leben in einer Welt, in der sich gewisse Menschen über andere stellen wollen. Aber hier ist unsere olympische Antwort. Wir heißen Euch willkommen als Bereicherung", erklärt IOC-Präsident Thomas Bach in seiner Rede.

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Um 23.26 Uhr hat Michel Temer seinen großen Auftritt. Brasiliens Interimspräsident muss sagen: "Ich erkläre die Spiele von Rio de Janeiro zur Feier der XXXI. Olympiade für eröffnet." Aber seine Worte gehen in einem ohrenbetäubenden Pfeifkonzert unter. Man hört nicht, was er sagt. Die politische Spaltung des Landes nach der Amtsenthebung der bisher nur suspendierten Präsidentin Dilma Rousseff kommt deutlich zum Ausdruck.