Bush pochte der britische Premier Tony Blair darauf, die Nachkriegsregelung in Irak müsse von der "Autorität der Uno" getragen werden. Anders als Bush steht Blair bei seinen Landsleuten mit der Zusage im Wort, die Alliierten wollten als Sieger kein Besatzungsregime aufbauen. Wenn Blair die Uno so stark ins Spiel bringt, reicht er den Kriegsgegnern Frankreich und Russland die Hand.
Washingtoner "Falken" wie Bushs Vize Dick Cheney und Verteidigungsminister Donald Rumsfeld halten jedoch wenig davon, in New York den Segen für die Nachkriegsordnung einzuholen. Beim Treffen mit Bush in Camp David gehe es nicht nur um die Kriegsführung im Irak, sondern auch um die Zukunft, betonte Blair - "besonders darum, wie wir Amerika und Europa wieder zu einer Zusammenarbeit als Partner und nicht als Rivalen kommen". Die Vereinten Nationen müssten "zentral beteiligt" werden. Die internationale Gemeinschaft müsse zusammen den Wiederaufbau bewältigen.
Da schlägt US-Außenminister Colin Powell ganz andere Töne an. Die "enorme Last" des Kriegführens müsse dadurch honoriert werden, dass die Amerikaner und ihre Partner nach dem Krieg eine "dominierende Rolle" in Irak spielten, sagt Powell. Die Strategen in Washington bereiten sich darauf vor, eine militärische Übergangsverwaltung aufzuziehen. "Wenn eine US-Militärverwaltung eingerichtet wird, können sich die Vereinten Nationen nur schwerlich beteiligen", sagt Sheba Crocker vom Zentrum für Strategische und Internationale Studien in Washington.
Frankreich und Russland wollen aber mitreden. Der Uno komme "eine zentrale Rolle bei der Regelung der Krise und ihrer Folgen" zu, betonte der französische Präsident Jacques Chirac gestern. Am Vorabend hatte Frankreichs Außenminister Dominique de Villepin bekräftigt, Paris sei zur Hilfe für Briten und Amerikaner bereit, sollten sie in Irak mit Chemiewaffen angegriffen werden. So sucht auch Paris wieder Brücken nach London und Washington zu bauen.
Im Ringen um die Nachkriegsordnung bleiben Spielräume. So fällt Blair und seinem Außenminister Jack Straw die Rolle zu, auch im Sinne Frankreichs, Deutschlands und Russlands für ein möglichst kräftiges Mandat der Uno zu plädieren.