Einen Monat lang lagen die geänderten Pläne zum Ausgleich für die Abbaggerung der Lakomaer Teiche und eines Teils des Hammergrabens in Cottbus, Peitz und Burg öffentlich aus. Gestern wurden die Unterlagen zusammengepackt. Zwei Wochen haben betroffene Bürger, Gemeinden und Verbände nun Zeit, Einwände gegen den vorgesehenen Ersatz für das Naturschutzgebiet vorzubringen. Die werden dann Ende April öffentlich erörtert.
Einen Monat später wird voraussichtlich die Stellungnahme der EU-Kommission zu den Ausgleichsplänen im Spreeauengebiet vorliegen. Im Sommer könnte dann wie vorgesehen ein Planfeststellungsbeschluss durch das Landesbergamt ergehen, der dem Tagebau Cottbus-Nord grünes Licht für die Überquerung des Hammergrabens gibt. Der Graben begrenzt wie ein natürlicher Verteidigungswall das Teichgebiet zum Tagebau hin, der auch in diesem Jahr wieder sechs Millionen Tonnen Kohle liefern soll.
Zum Jahresende wird die Grube den Sicherheitsabstand zum Grabenrand erreichen. Im Oktober soll laut Planung der Mittelteil des Hammergrabens stillgelegt werden. Die Teiche dahinter sollen schrittweise bis 2008 folgen. Der von Vattenfall Europe Mining betriebene Tagebau Cottbus-Nord wird bis 2015 Kohle für das Kraftwerk Jänschwalde liefern.
Wie dicht sich Tagebau und Lakomaer Teiche schon gekommen sind, wurde im vorigen Herbst anschaulich deutlich. Im Oktober besetzten Mitglieder der Umweltschutzgruppe Robin Wood vergeblich tagelang mehrere Bäume am Hammergraben, um deren Fällung zu verhindern. Die Bäume mussten für eine Schneise weichen, damit der Bergbau bereits mit Probebohrungen und Entwässerungsmaßnahmen beginnen konnte.
Umweltschützer wie Rene Schuster von der Grünen Liga sind indes unverändert der Auffassung, dass Lakoma gar nicht abgebaggert werden darf. Bis zum vorigen Sommer hatten Schuster und andere Naturschützer noch in ein paar alten Bauernhäusern in Lakoma gewohnt. Dann endete der Mietvertrag mit Vattenfall. Die Häuser wurden abgerissen. Für die Teichverteidiger ist es egal, was der Energiekonzern Vattenfall als Ausgleich für die Vernichtung der geschützten Landschaft anbietet. „Wir arbeiten intensiv an einer Stellungnahme zu den ausgelegten Plänen“ , kündigt Schuster an. Sicher würden darin auch Einwände vorgebracht.
Die Spreeauenpläne durchlaufen bereits zum zweiten Mal das Verfahren von öffentlicher Auslegung, Einwänden und Anhörung. Insgesamt dauert das Ringen um das wasserrechtliche Planfeststellungsverfahren nun schon mehr als sieben Jahre. Die Lakomaer Teiche stehen als besonders schützenswertes Biotop auf der Liste der europäischen Flora-Fauna-Habitat (FFH)-Gebiete. In begründeten Einzelfällen kann der FFH-Status jedoch aufgehoben werden. Weil das europaweite FFH-Netzwerk insgesamt vor einem Jahr noch nicht bestätigt war, hatte sich die EU-Kommission damals noch nicht zuständig gefühlt.
Die Brandenburger Landesregierung und das Landesbergamt entschlossen sich jedoch im vorigen Sommer nach einer ersten Planauslegung und Anhörung, das Angebot einer freiwilligen Prüfung durch Brüssel anzunehmen. Ohne ein positives Votum für das Spreeauenprojekt als Ersatz für Lakoma ist eine wasserrechtliche Genehmigung der Fortführung des Tagebaus Cottbus-Nord nicht denkbar.
Die Spreeauenpläne wurden vor der Versendung nach Brüssel im vorigen November nochmal überarbeitet und ergänzt. Die Angst, der zu fällende Beschluss könnte rechtlich angreifbar sein, war groß. Inzwischen wird die Stimmung im Bran denburger Landesbergamt entspannter. „Wir hören zurzeit nichts aus Brüssel, wenn es dort Probleme gäbe, hätten wir sicher davon erfahren“ , sagt der Präsident des Amtes, Klaus Freytag. Er geht deshalb davon aus, dass sich seine Erwartung erfüllt und die EU der Spreeauenrenaturierung als Ersatz für die Teiche mit Auflagen zustimmt.
Die nach Brüssel geschickten und im vorigen Monat in den betroffenen Kommunen ausgelegten Pläne enthielten „erhebliche Verbesserungen“ , so Freytag. Die seien auch ein Verdienst der bisherigen Stellungnahmen von Naturschutzverbänden. „Ohne deren engagierte Arbeit wären wir heute nicht so weit wie wir sind“ , sagt er anerkennend.
Ein wesentlicher Punkt ist, dass jetzt in der umgestalteten Spreeaue sieben Teiche mit insgesamt 21 Hektar Fläche entstehen sollen. Das bestätigt Ingolf Arnold, GeotechnikChef bei Vattenfall. Damit soll einem Gutachten Rechnung getragen werden, wonach einige Pflanzenarten mit dem Wechsel von der Teichlandschaft an ein fließendes Gewässer wie die Spree Probleme bekommen könnten, sagt Landesbergamt-Chef Freytag.
Nachgebessert wurde auch zu Gunsten der Fischotter. Eine Wiesenfläche bei Maust wird für diese seltenen Tiere umgestaltet. Dazu kommen mehrere Wanderwege, mit denen die Tiere ungefährdet Straßen queren können, ohne überfahren zu werden. Spezialisten hatten herausgefunden, dass die Lakomaer Teiche den Otterweibchen als Rückzugsgebiet für die Aufzucht ihres Nachwuchses dienen.
Wenn im Sommer ein Planfeststellungsbeschluss ergeht, der den Baggern den Weg frei macht, könnte dagegen nochmal Klage eingereicht werden. Dass Naturschutzverbände zu diesem Mittel greifen, kann sich Ingolf Arnold jedoch nicht recht vorstellen: „So einen Beschluss gibt es ja nur, wenn ein positives Votum aus Brüssel kommt. Wer dagegen klagt, stellt sich dann auch gegen das fachliche Urteil der EU-Kommission.“ Arnold wünscht sich, dass die Natur- und Umweltschutzverbände bei der Umsetzung des Spreeauenprojektes mitarbeiten. „Wir haben sie dazu eingeladen“ , versichert der Geotechnik-Chef von Vattenfall.
Sobald für das Gesamtprojekt die Genehmigung vorliegt, soll mit den Arbeiten am Hammergraben und in der Spreeaue begonnen werden, kündigt Arnold an: „Der September ist ein guter Monat dafür. Da sind die Felder abgeerntet.“

hintergrund Lakoma fast vollständig umgesiedelt
  Die Entscheidung, den Tagebau Cottbus-Nord über Lakoma hinweggehen zu lassen, wurde bereits zu DDR-Zeiten getroffen. Nach der Wende wurde diese Planung nach bundesdeutschem Bergrecht bestätigt. Das derzeitige Planfeststellungsverfahren bezieht sich nur auf das Wasserrecht.
Das Dorf Lakoma wurde fast vollständig umgesiedelt und bereits abgerissen. Heute leben nur noch zwei Familien auf eigenen Grundstücken in der Ortslage. Ihre Häuser werden vom Tagebau nicht beansprucht.
Ein drittes noch vorhandenes Gebäude gehört bereits Vattenfall und wird als Werkstatt an einen Handwerksbetrieb vermietet.