Dabei wird der Schrott Bütow zufolge dringend auf den mittel- und oberelbischen Stahlstandorten benötigt, vor allem auch in Riesa. Die weltweite Nachfrage nach hochwertigen Stählen habe zu einem Aufschwung in der lange kriselnden Branche geführt, meint der SBO-Chef. Der dringend benötigte Schrott als wichtiger Rohstoff für die Stahlproduktion werde weiter überwiegend per Binnenschiff transportiert.
"Die Elbe hat es 2006 nicht sehr gut mit uns gemeint", betont Bütow. Der lang anhaltende Winter mit Eisgang, das vorösterliche Hochwasser und schließlich das Niedrigwasser im Juli blieben nicht ohne Folgen. Viele Binnenreeder leiteten ihre Schiffe auf andere Wasserstraßen um. "Kurzfristiger Mehrbedarf an Schiffsraum auf der Elbe kann oft nicht befriedigt werden", sagt Bütow. Hinzu komme die zögerliche Beseitigung der Hochwasserschäden. Obwohl die Bundesregierung die Mittel für die Binnenschifffahrt erhöht habe, könnten die Wasser- und Schifffahrtsämter das Geld wegen Mangels an Planungen oft nicht abrufen.
Dennoch sieht Bütow keinen Grund zum Pessimismus: "Wir setzen zunehmend auf Spezialisierung der Häfen". So würden in Dresden neben Schrott zunehmend auch schwere Maschinen und Anlagen verschifft. Zu den wichtigsten Kunden gehörte Siemens. Das Unternehmen verlade Gasturbinen aus Görlitz und Transformatoren aus Dresden im Alberthafen. Auch der traditionsreiche Anlagenbauer VEM Sachsenwerk setze weiter auf das Binnenschiff.
Gleiches gelte für die tschechischen Häfen. Lovosice (Lobositz) sei eine wichtige Verladestation für Streusalz und Agrargüter. "Wir investieren derzeit eine Million Euro in Lager- und Verladeeinrichtungen für Streusalz", sagte Bütow. Neue Lagerhallen für Getreide sollen folgen. Böhmen war schon in österreichischer Zeit wichtiger Getreideexporteur. Decin (Tetschen) profitiert weiter von seinem linkselbischen Gewerbegebiet Podmokly (Bodenbach ), seit über 100 Jahren eines der wichtigsten Industriestandorte Nordböhmens. Im Hafengebiet im Vorort Lobi haben sich daher wichtige Logistikunternehmen wie Procargo, Stinnes und Kunze angesiedelt.
Insgesamt rechnet Bütow mit einem erfolgreichen Geschäftsjahr 2006 für den Hafenverbund. "Wir haben im ersten Halbjahr schon 80 000 Tonnen Güter mehr umgeschlagen als im Vergleichszeitraum des Vorjahres", betont der Geschäftsführer. Zwar dürfte der Anteil der Binnenschifffahrt zurückgehen, doch könnten viele Güter auf Schiene und Straße umgeleitet werden. Häfen mit guter Bahnanbindung wie Dresden, Riesa, Tetschen und Lobobitz profitierten davon, Torgau, das mehr von Binnenschiffen bedient werde, allerdings weniger. Zum Hafenverbund gehören Dresden, Lobositz, Riesa, Roßlau, Tetschen und Torgau. Infos im Internet:
binnenhafen-sachsen.de

hintergrund Auch Sachsen Nutznießer des Containerbooms
  Auch die Schiene ist ein wichtiger Nutznießer des anhaltenden Containerbooms in den deutschen Seehäfen. Davon profitiere zunehmend auch Sachsen. "Von Januar bis Juli wurden auf der Elbe-Containerlinie zwischen Sachsen und Hamburg/Bremerhaven 11 818 Containereinheiten transportiert. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es nur 5299", berichtet der Binnenhäfen-Chef Oberelbe Detlef Bütow. Die Konsequenz: die Transfracht erweitert den Güterverkehr von vier auf fünf Zugpaare in der Woche.