Noch viel Wasser wird die Elbe runter fließen, bis der Riesaer Hafen sein neues Terminal bekommt. Wann der Bau losgehen kann, weiß beim Verkehrsministerium in Dresden niemand. Jetzt mahlen erstmal die Mühlen der Planfeststellung, für die die Landesdirektion "differenzierte Planungsgrundlagen erstellt", heißt es aus dem Ministerium. Riesa regt sich auf. Die 34 000-Einwohner-Stadt an der Elbe wartet seit Jahren auf die Anbindung an die Autobahn über die Bundesstraße 169. Nun schleppt sich auch noch der infrastrukturelle Lichtblick des wichtigsten Containerhafens zwischen Hamburg und Dresden hin. Derweil platzt der Riesaer Hafen aus allen Nähten. In 40 000 Containern pro Jahr wird auf dem alten Gelände umgeschlagen, was die Industrieregion rund um Zeithain, Riesa und Meißen braucht und produziert.

Stahlrohre aus dem Zeithainer Rohrwerk gehen dort an Bord, Düngemittel und Dichtmassen von Wacker-Chemie aus Nünchritz sowie Stahl aus der Stahlstadt Riesa. Schrott für die Stahl-öfen wird im Hafen abgeladen und Holzstämme aus Tschechien durchgewunken. Und das alles immer mehr.

Erst kürzlich vermeldeten die Sächsischen Binnenhäfen Oberelbe (SBO) für den Standort Riesa den traumhaften Zuwachs von 51 Prozent in einem Jahr beim Schiffsumschlag. Das ist die Spitze im Hafenverbund, der auch die Binnenhäfen in Dresden, Torgau, Decin, Lovosice und Dessau-Roßlau betreibt. Dabei könnte Riesa noch bessere Zahlen schreiben, heißt es aus dem SBO.

"Statt 40 000 Containern im Jahr könnten wir auch das Doppelte umschlagen", sagt Unternehmenssprecherin Mandy Seeliger. Das allerdings macht der 120 Jahre alte Gründerzeithafen nicht mehr mit. Der sächsische Landesverkehrsplan sieht deshalb "zügig ein neues, trimodales Terminal" vor, das am südlichen Ufer Richtung Riesaer Innenstadt entstehen soll.

Schon im Oktober 2011 gab es dort den feierlichen ersten Rammschlag zum Riesenprojekt, das am Ende 30 Millionen Euro kosten soll. Die Hafenkaimauer wird aufgestockt, das ganze Gelände dadurch einen Meter angehoben, um besser gegen Hochwasser geschützt zu sein. Sämtliche Gleisanlagen werden erneuert. Zwei neue Ladekräne sollen künftig zwischen Zügen, Schiffen und Lastern hin und her schwenken. Hinzu kommen Sozialgebäude, eine Container-Service- und -Reparaturstation und ordentlich Stellfläche für die Container. 70 000 könnten dann jährlich umgeschlagen werden.

Wenn nötig, kann die Kapazität später auf 100 000 Container erweitert werden, so plant das Verkehrsministerium. Eigentlich sollte das Ganze Anfang 2013 fertig sein. Aber außer einer halbwegs fertigen Spundwand ist an der Südseite kaum etwas zu sehen.

Die Landesdirektion Sachsen hat inzwischen "aus Gründen der Rechtssicherheit" ein Planfeststellungsverfahren verlangt. Der Hafenbetreiber SBO sieht nun Fördermittel des Bundes wegschwimmen, die die Hälfte des Projekts finanzieren sollen.

"Wir sind mehr als ausgelastet", sagt Mandy Seeliger. "Wir brauchen den Neubau eigentlich sofort." Allerdings kann die Planfeststellung in dieser Größenordnung schon mal anderthalb Jahre dauern. Mindestens so lange werden sich die Container im alten Hafen stapeln.