Nach einem Treffen mit Kurdenführer Massud Barsani zeigte sich Rice am Sonntag zuversichtlich, dass trotz der mehr als dreimonatigen Regierungsbildung bis August - wie geplant - eine Verfassung ausgearbeitet werden könne.
Die Verfassung ist Grundlage für die im Dezember geplante Wahl einer permanenten Regierung und gilt als entscheidend für die Befriedung des Landes und damit für einen Abzug der US-Truppen.
Rice appellierte an die irakische Bevölkerung, der neuen Regierung eine Chance zu geben. "Diese Regierung weiß besser als wir, dass das irakische Volk große Erwartungen hat", sagte sie nach einem Treffen mit dem irakischen Ministerpräsidenten Ibrahim al Dschaafari in Bagdad. Das erst Anfang Mai vereidigte Kabinett könne die Probleme aber nicht über Nacht lösen.
Es war der erste Besuch eines US-Regierungsmitglieds im Irak seit Vereidigung der neuen Regierung in Bagdad vor knapp zwei Wochen und die erste Irak-Visite von Rice als Außenministerin. Sie war als Sicherheitsberaterin von Präsident George W. Bush eine der Architekten des Irak-Krieges vor zwei Jahren.
Erst am Vortag hatten die US-Truppen im Westirak ihre größte Offensive seit dem Fall der Rebellenhochburg Falludscha im vergangenen Herbst nach einer Woche beendet.
Rices Besuch wurde von grausigen Leichenfunden überschattet. Nach dem Fund haben hochrangige sunnitische Vertreter vor neuer Gewalt zwischen den Religionsgemeinschaften gewarnt. Der Chef der sunnitischen Religionsbehörde Wakf, Adnan el Dulaimi, forderte gestern von der neuen Regierung eine vollständige Aufklärung der Morde. Rice hatte bei ihrem Blitzbesuch eine stärkere Beteiligung der Sunniten als Verlierer der von ihnen weit gehend boykottierten Wahl im Januar am politischen Prozess des Landes gefordert. (dpa/B.M.)