Unmittelbar vor dem Sondergipfel forderten neun mittel- und osteuropä ische EU-Länder von führenden Volkswirtschaften wie Deutschland und Frankreich mehr Solidarität und eine Absage an Protektionismus. Angesichts milliardenschwerer Konjunkturpakete überall auf dem Kontinent versuchte die Gipfelrunde, die Einzelmaßnahmen der Staaten besser abzustimmen. Auch die dramatische Krise um den Autobauer Opel soll zur Sprache kommen. Ungarn legte ein Papier vor, das Finanzhilfen in Höhe von 160 bis 190 Milliarden Euro für die mittel- und osteuropä ischen Staaten fordert. Das lehnten Estland, die Slowakei und andere Länder ab. Der EU-Sondergipfel diente auch der Abstimmung der Europäer mit Blick auf den Weltfinanzgipfel am 2. April in London. Dort soll die internationale Gemeinschaft die Weichen stellen für neue Finanzmarktregeln. Allein für Europas größte Volkswirtschaft Deutschland erwarten Experten für das Gesamtjahr einen Absturz der Wirtschaft um bis zu fünf Prozent. Ungeachtet der dramatischen Finanz- und Wirtschaftskrise hat sich die EU bislang nur bedingt auf ein gemeinsames Vorgehen einigen können. "Wir müssen unsere Maßnahmen besser koordinieren", sagte Schwedens Premier Fredrik Reinfeldt. Polens Europaminister Mikolaj Dowgielewicz warnte vor einer neuen Spaltung Europas. Zuvor war es bereits zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen dem EU-Ratspräsidenten, dem tschechischen Regierungschef Mirek Topolanek, und Frankreichs Präsidenten Nicolas Sarkozy um Frankreichs Autohilfen sowie generell um das Krisenmanagement Tschechiens gekommen. Aus französischen Diplomatenkreise hieß es, Sarkozy dringe weiterhin auf einen EU-Hilfsplan für die Autoindustrie. Die Krise in Osteuropa hat inzwischen ein dramatisches Ausmaß erreicht. Vor allem die baltischen Staaten und Ungarn leiden unter dem Abfluss ausländischen Kapitals, das den Aufschwung finanzierte. Während viele Westeuropäer vom Osten mehr eigene Maßnahmen zur Konjunkturbelebung fordern, wehren sich die neuen EU-Staaten, dies nicht finanzieren zu können.