Gleichzeitig zeigt er sich aber als ein Pragmatiker, der vorsichtig prüft, wie weit er den Bogen spannen kann, gegebenenfalls beanstandete Maßnahmen zurücknimmt und punktuelle Bündnisse auch mit Rivalen schließt.

Wenn er 2020 seine neue Amtsperiode abschließt, wird er mit 14 Dienstjahren der Staatschef mit der längsten Regierungszeit der Geschichte Boliviens sein. Und dies in aufeinander folgenden, unangefochtenen Wahlsiegen. Vor ihm gab es in Bolivien in einem Jahrhundert 60 Regierungen, viele von ihnen unter dem Zeichen der Militärs.

Juan Evo Morales Ayma wurde am 26. Oktober 1959 als Sohn armer Aymara-Landarbeiter in der kleinen Ortschaft Isallavi geboren, am Poopó-See im westlichen Departement Oruro. Vier seiner sechs Geschwister starben während der Kindheit unter schweren Lebensbedingungen. Als Sechsjähriger arbeitete er mit seinem Vater bei der Zuckerrohrernte in Argentinien. Als Hirte spielte er Fußball zwischen den Llamas, mit Grasbüscheln als Torpfosten.

Die Leidenschaft für Fußball hat ihn bis heute im Griff. Noch im Mai hieß es, er werde im Angriff des kurz vorher in die 1. Liga aufgestiegenen Vereins Sport Boys mitspielen. Zwei Monate später gab er jedoch zu, nicht mehr für einen Profi-Einsatz fit zu sein.

Morales schlug sich als Minenarbeiter, Ziegelträger, Bäcker und Trompeter durch, bevor er 1981 seine politische Karriere in der Gewerkschaft der Koka-Bauern im Chapare-Gebiet startete. Nach seinem Aufstieg zum Generalsekretär gründete er die Bewegung zum Sozialismus und zog 1997 als Abgeordneter ins Parlament.

Bei den Präsidentenwahlen 2002 erreichte er mit 21 Prozent der Stimmen den zweiten Platz. Ende 2005 wurde er zu Boliviens erstem Indio-Präsidenten gewählt. Nach der Verfassungsreform 2009 gewann er wieder die Wahlen. Der Oberste Gerichtshof erlaubten ihm, 2014 für eine dritte Amtsperiode zu kandidieren. Die Begrenzung auf zwei Mandate gelte erst ab Inkrafttreten der neuen Verfassung, hieß es.