Bisher glaubte man, dass sie noch im Original vorhanden ist. Doch von dieser Vorstellung müssen sich die Taubenheimer jetzt trennen.
"Wir haben eine kleine Revolution ausgelöst", sagt Peter Domschke ganz unbescheiden. In seiner Werkstatt harrt die Uhr, die ein namentlich unbekannter böhmischer Künstler gegen Ende des 18. Jahrhunderts fertigte, ihrer Restaurierung. Wind, Regen, aber vor allem die Sonne haben ihr in den vergangenen Jahren erheblich zugesetzt.
„Die ultraviolette Strahlung der Sonne bildet dabei tatsächlich das Hauptproblem“ , erklärt Peter Domschke. Diese greift nämlich die Farbe an und bringt sie zum Verblassen. Wasser hingegen perlt auf der Acrylfarbe ab und hinterlässt nur geringe Schäden. Der Beweis: Der nach Süden ausgerichtete Teil der Ecksonnenuhr ist viel stärker ausgebleicht als sein östliches „Pendant“ .
Doch dies alles stellte für Peter Domschke und den Taubenheimer Ortsvorsteher Volker Kutschke keine Überraschung dar. Viel erstaunter waren sie, als sie das Material der Sonnenuhr in Augenschein nahmen: Sie besteht komplett aus Aluminiumblech!
Warum dies so ist, lässt sich aus den Aufzeichnungen des verdienstvollen „Sonnenuhrenvaters“ Martin Hölzel (1908 bis 1994), der am Bau von zehn der 17 Taubenheimer Sonnenuhren beteiligt war, nicht mehr nachvollziehen. „Er restaurierte die Uhr in ihrer heutigen Form im Jahre 1977 wie eine Inschrift auf der Rückseite verdeutlicht“ , erklärt Peter Domschke. Damals, so geht aus den Aufzeichnungen hervor, präsentierte sich die Uhr in einem desolaten Zustand.
Die ursprüngliche Holzplatte war bereits um 1950 gegen eine ebensolche aus Hartfaser ausgetauscht worden - „eine Notlösung“ , wie Peter Domschke betont. Die Hartfaserplatte zeigte sich 1977 völlig zerbröselt und musste dringend ersetzt werden. Martin Völkel entschied sich für eine Aluminiumblechplatte. Auch inwieweit die derzeitige Gestaltung mit dem Original übereinstimmt, lässt sich nicht mehr mit Sicherheit sagen. Es existiert lediglich noch eine unscharfe Aufnahme aus den Dreißigerjahren - zeitlich zu identifizieren durch die im Bild befindlichen Hakenkreuzfahnen.
„Diese Aufnahme legt allerdings nahe, dass das Original etwas anders aussah“ , meint Peter Domschke. Die Sonne erscheint in ihrer jetzigen Gestalt kleiner, auch die farbliche Gestaltung der Strahlen variiert. Peter Domschke will sich bei seinen Restaurierungsarbeiten an der von Martin Hölzel geschaffenen Vorlage orientieren. „Ich habe nicht den Ehrgeiz, etwas eigenes in die Gestaltung einzubringen, sondern halte mich streng an das Vorbild“ , betont er.
Bevor Peter Domschke mit der Restaurierung der ältesten Taubenheimer Sonnenuhr be- ginnen kann, muss er das Gnomon - den Pol- oder Schattenstab - entfernen. Infos im Internet: www.sohland-spree.de /