Bejubelt, verpönt und verhüllt - das Wandbild "Weg der Roten Fahne" am Dresdner Kulturpalast hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Wer es in den vergangenen zwei Jahrzehnten betrachten wollte, brauchte neben einem guten Auge vor allem Fantasie. Denn die monumentale Darstellung auf 300 Quadratmetern Fläche war mit einem dichten, grünen Netz verhangen - offiziell, um Passanten vor herabfallenden Teilen zu schützen. Tatsächlich hatte sich aber nur eine von mehr als 400 Betonplatten gelockert. Viele interpretierten die Verhüllungsaktion daher eher als Beleg für einen verkrampften Umgang mit dem sozialistischen Erbe der Elbestadt.

Das ist nun Geschichte. Der "Schamvorhang", wie das Gewebe vor dem Wandbild auch genannt wurde, ist gefallen. Momentan behindern nur noch Gerüste und Baucontainer die freie Sicht auf historische Gestalten wie Karl Marx, Friedrich Engels, Ernst Thälmann und Walter Ulbricht. Sie sind genau wie andere Figuren - Arbeiter, Soldaten und Kinder - durch eine wehende rote Fahne miteinander verbunden. Das Bild soll die Entwicklung der Arbeiterbewegung von der bürgerlichen Revolution 1848/1849 bis in die DDR-Zeit thematisieren. Personen oder Personengruppen sind dabei geschichtlichen Ereignissen zugeordnet.

Dabei zieht vor allem eine junge Frau den Blick auf sich. Sie hält in der rechten Hand die Fahnenstange und schwebt mit offenen Armen wie ein revolutionärer Engel auf den Betrachter zu. Auch wenn der "Weg der Roten Fahne" zumindest in seiner realsozialistischen Variante mit der Wende in der DDR zu Ende ging, soll er in bildlicher Form am Dresdner Kulturpalast weiterleben.

Denn parallel zum Umbau des "Kulti" - so nennen Einheimische den Palast am Altmarkt - wird das Wandbild nun restauriert. Es steht wie der gesamte Kulturpalast unter Denkmalschutz. Als der frühere Rektor der Dresdner Kunsthochschule, Gerhard Bondzin - 1968 beginnend - das Fassadenbild gemeinsam mit einem Künstlerkollektiv entwarf, waren auch Studenten aus seinem Haus beteiligt. Knapp 50 Jahre später schließt sich nun der Kreis. Der Studiengang Kunsttechnologie, Konservierung und Restaurierung von Kunst- und Kulturgut, bei dem nur junge Frauen eingeschrieben sind, ist an der Sanierung beteiligt.

Axel Walther, Geschäftsführer der Kommunalen Immobilien Dresden Verwaltungs GmbH, findet es schön, dass sich gerade junge Leute um die Restaurierung kümmern. Es gehe darum, der Nachwelt ein Denkmal zu erhalten und erlebbar zu machen. Ganz nebenbei freut sich Walther darüber, mithilfe der Studentinnen das Budget im Griff zu behalten.

150 000 Euro sind für die Restaurierung veranschlagt. Walther ist dafür, dem Wandbild per App oder im Internet eine Erklärung zur Seite zu stellen: Schließlich sollten auch junge Leute einen Zugang finden, die rote Fahnen als Symbol für die Arbeiterbewegung fast nur noch aus dem Fernsehen kennen.