Die RUNDSCHAU hat im Frühjahr mehrfach über den schweren Stand des Cottbuser Instituts für interdisziplinäre Medizinerweiter- und -fortbildung und klinische Versorgungsforschung (IfMW) gGmbH berichtet. Bereits zwei Jahre nach der Gründung im Jahre 2012 ist es dort gelungen, mehr als drei Dutzend Absolventen in die Region zu holen, sie bei der Weiterbildung zum Allgemeinmediziner "an die Hand" zu nehmen und in der Lausitz zu halten. Von der rot-roten Landesregierung in Potsdam hat es dafür wenig Entgegenkommen gegeben. Die Anschubfinanzierung durch Vattenfall reicht noch bis Mitte 2016.

Seit Juli aber ist das Gesetz zur Stärkung der Versorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung (Versorgungsstärkungsgesetz) durch den Bundesrat in Kraft gesetzt worden. Der darin enthaltene Paragraf 75a verweist ausdrücklich auf die in der Lausitz praktizierte regionale Weiterbildung in einer Verbund struktur. In der Region ist das ein Netzwerk von fünf Kliniken, ambulanten Praxen sowie ein vom IfMW erarbeitetes begleitendes Kurs- und Seminarprogramm. Wenngleich die Spremberger Bundestagsabgeordnete Birgit Wöllert (Linke) bedauert, dass der Gesetzestext im Endspurt noch "von Förderung der Weiterbildung von Allgemeinmedizinern auf Förderung der Weiterbildung geändert wurde". Dennoch würden sich hier finanzielle Möglichkeiten eröffnen.

Auf einem Symposium in Cottbus verweist Wöllert darauf, dass fünf Prozent der Gesamtsumme für die Förderung der Weiterbildung allein für Allgemeinmediziner zur Verfügung stehen würden. Um welche Größenordnung es sich handelt, soll bis Ende des Jahres feststehen.

Dem Cottbuser Institut macht Wöllert in zweierlei Hinsicht Mut. Sie zitiert zunächst aus einer Statistik, wonach überall dort die Weiterbildung zu Allgemeinmedizinern um 50 Prozent seit 2010 gestiegen sei, wo sich regionale Kompetenzzentren darum kümmern. Und sie regt an, auch die Möglichkeiten des jährlich 300 Millionen Euro umfassenden Innovationsfonds des Gesundheitsministeriums zu nutzen.

Der Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin am Uni-Klinikum Schleswig-Holstein, Dr. Jost Steinhäuser, unterstützt den Kurs der Lausitzer. Wenngleich das Wort "Kompetenzzentrum" im neuen Gesetz nicht vorkomme, sei dies die Zukunft der Hausarzt-Weiterbildung. Als langjähriger Koordinator einer erfolgreichen Verbundweiterbildungsstruktur in Baden-Württemberg attestiert er dem IfMW, auf dem richtigen Weg zu sein. Hier stimme das Kurse- und Schulungsprogramm, die Verbundstruktur zu Medizineinrichtungen, die wissenschaftliche Begleitung und Evaluierung.

Was in Brandenburg nicht geleistet werden kann, ist die unmittelbare universitäre Anbindung des Kompetenzzentrums. Deshalb verbindet das Cottbuser Institut mit der medizinischen Fakultät der Universität Magdeburg eine enge Kooperation. Für den wissenschaftlichen Leiter des IfMW Prof. Ingo Gastinger hat das Institut mit seiner Verbundausbildung längst den Berechtigungsnachweis erbracht. Denn statt in acht bis zehn Jahren wird hier der Abschluss als Allgemeinmediziner in fünf Jahren erreicht. Das sollte auch in Potsdam anerkannt werden.