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Retorten-Hauptstadt mitten im Dschungel

Achtspurige Straßen, Luxuswagen und Wohnblöcke wie in westlichen Vorstädten – Naypyidaw, die neue Retorten-Hauptstadt Birmas, protzt mit Statussymbolen, über die man sich nur wundern kann. Von Charlotte McDonald-Gibson

Das südostasiatische Land ist arm, sehr arm und seit Langem international isoliert. Vor rund anderthalb Jahren hat die Militärregierung Naypyidaw 400 Kilometer nördlich der bisherigen Hauptstadt Rangun aus dem Boden des Urwalds gestampft. Offiziell wurde die "strategisch günstige" Lage zwischen Rangun und der zweitgrößten Stadt des Landes, Mandalay, als Grund genannt. Gerüchten zufolge wollen sich die Generäle durch den Umzug aber vor dem befürchteten Einmarsch der USA und vor Massenprotesten schützen.
Ende März konnten ausländische Journalisten das von der Weltöffentlichkeit penibel abgeschottete Naypyidaw, was übersetzt "Sitz der Könige" bedeutet, erstmals besichtigen. In der jährlichen Militärparade defilierten 15 000 Soldaten an Staatschef Generalissimus Than Shwe vorbei. In Birma lebende Ausländer staunen über den freiwilligen Exodus von Birmas Mächtigen in den Dschungel. "Wenn man sich dieses Gebiet anschaut, das ist doch nur Busch (. . .), unwirtliches, unfruchtbares Land", sagt ein westlicher Diplomat, der - wie die meisten, die hier leben - anonym bleiben möchte. "Dort eine Hauptstadt zu bauen, ist eine ganz schöne Herausforderung."
Kostspielig ist es auch. Birma gehört mit einem Pro-Kopf-Einkommen von umgerechnet rund 120 Euro im Jahr zu den ärmsten Ländern der Welt. Europa und die USA belegen die ehemalige britische Kolonie wegen ihrer Menschenrechtsverletzungen seit Jahren mit Sanktionen. Prominentester Fall ist die Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi, die seit 17 Jahren fast ununterbrochen unter Hausarrest steht. Andere Länder haben weniger Skrupel: Die Nachbarn China und Thailand, aber auch Indien nehmen Birma seine großen Gasvorkommen gerne ab.
Der Internationale Währungsfond schätzt, dass die neue Hauptstadt Birma jährlich umgerechnet zwischen 90 bis 180 Millionen Euro kostet, das sind ein bis zwei Prozent des geschätzten Bruttoinlandsproduktes. Informationsminister Kyaw Hsan wird jedoch nicht müde zu betonen, dass Geld keine Rolle spielt. Ganz gleich, wie es im Rest des Landes aussieht - für ihre neue Perle ist der Regierung in Rangun offenbar nichts zu teuer.