Bisher hat sich keiner der potenziellen Kandidaten für das Rennen um das Weiße Haus angemeldet, aber nach den Kongresswahlen bringen sich einige in Stellung. "Wir glauben an unser Land, und wir werden es ab heute Nacht zurückerobern!", rief Clinton ihren Anhängern am Wahlabend zu, nachdem sie als Senatorin von New York wiedergewählt worden war. Auf hartnäckige Fragen, ob sie kandidieren wolle, antwortete sie allerdings, dies habe sie noch nicht entschieden.

Hillarys Vorsprung schmilzt
In Meinungsumfragen hat die Frau von Ex-Präsident Bill Clinton unter Demokraten einen großen Vorsprung. In einer Umfrage, die der Fernsehsender CNN Ende Oktober veröffentlichte, sprachen sich 38 Prozent der Parteiunterstützer für eine Kandidatur Clintons aus. Damit liegt sie elf Prozentpunkte vor dem Zweitplatzierten, Senator Barack Obama aus Illinois. Der Sohn eines Kenianers und einer Weißen aus Kansas könnte für Clinton aber gefährlich werden. Bevor er im Oktober erklärt hatte, eine Kandidatur in Erwägung zu ziehen, hatte die New Yorker Senatorin noch mit 28 Prozentpunkten vor dem nächsten demokratischen Konkurrenten gelegen. Beide Kandidaten müssten allerdings der jüngsten Geschichte trotzen: Kein US-Senator seit John F. Kennedy im Jahr 1960 hatte mit einer Präsidentschaftskandidatur Erfolg.
Bei den Republikanern liegt der selben CNN-Umfrage zufolge der New Yorker Ex-Bürgermeister Giuliani mit 29 Prozent Zustimmung knapp vor McCain, der auf 27 Prozent kommt. Giulianis Hoffnungen auf Nominierung durch die Republikaner haben in den vergangenen Wochen Auftrieb erhalten, nachdem Meinungsforscher von WNBC/Marist ihn bei einem Vergleich mit Hillary Clinton vor der möglichen Kandidatin der Demokraten vorne sahen. Zwar deutete alles auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen hin, doch sprachen sich 49 Prozent für den Republikaner aus; Clinton lag bei 42 Prozent, neun Prozent der Befragten waren unentschieden.

Wahl als "Weckruf"
Zuvor müsste Giuliani aber eben noch McCain in den Vorwahlen ausstechen. Die Ergebnisse der Kongresswahl nannte dieser "einen Weckruf für die Republikanische Partei". Der Senator aus Arizona steht in den USA seit 1973 im Rampenlicht, als er nach mehr als fünf Jahren Kriegsgefangenschaft in Vietnam freigelassen wurde. Er hatte bereits bei den Präsidentschaftswahlen 2000 versucht, sich bei den Republikanern gegen Bush als Kandidaten durchzusetzen - erfolglos. Bei einem Wahlsieg im Jahr 2008 wäre der 70-Jährige der bei Amtsantritt älteste US-Präsident.
Weiter hinten rangieren bei den Demokraten noch eine Reihe weiterer möglicher Kandidaten. Der Wahlverlierer im Jahr 2004, John Kerry, könnte Ambitionen auf die Kandidatur haben, sieht sich aber wegen kürzlich getätigter Aussagen in der Kritik, die als Kränkung der US-Soldaten im Irak verstanden werden könnten. Hoffnungen auf die Unterstützung der großen spanischsprachigen Minderheit in den USA könnte sich Bill Richardson machen. Dieser - selber Hispanic - war zuvor US-Botschafter bei den UN und Energieminister unter Präsident Bill Clinton.
Bei den Republikanern wird auch der Name von Außenministerin Condoleezza Rice immer wieder ins Spiel gebracht. Sie selber scheint sich über die Gedankenspiele eher zu amüsieren und ließ bisher nicht verlauten, dass sie den Posten des Präsidenten übernehmen wolle. Bei den Republikanern scheint sie aber Unterstützung zu erfahren: Bei einer Umfrage von WNBC/Marist im September landete sie auf dem zweiten Platz - knapp hinter Giuliani, aber noch vor McCain.