Die Macher des Cottbuser Filmfestivals haben zum 25. Jubiläum ein Rekord-Programm zusammengestellt. Mehr als 200 Filme aus 40 Ländern - so viel Kino war noch nie im November in Cottbus. 17 Weltpremieren und mehr als 80 deutsche Erstaufführungen sind angekündigt. Auch die Dotierung des Hauptpreises erreicht einen neuen Höchststand. Die Gesellschaft zur Wahrnehmung von Film- und Fernsehrechten (GWFF) packt zum 25. Festival 5000 Euro drauf und stiftet nun also 25 000 Euro.

Um diese Summe und um die Preisskulptur Lubina (sorbisch: "Die Liebreizende) bewerben sich im Hauptwettbewerb Spielfilm die Regisseure von zwölf Beiträgen, an denen 14 Koproduktionsländer beteiligt sind. "Natürlich schlägt sich die globale Stimmung auch in den Beiträgen zur Jubiläumsausgabe des Filmfestivals nieder. Die Filmemacher reflektieren die Vergangenheit, die Zukunft und die Gegenwart, geben Statements ab, dokumentieren Geschehenes oder versuchen, den Blickwinkel ihrer Zuschauer zu ändern", erklärt Programmdirektor Bernd Buder. "Keine Angst!", fügt er hinzu, "Wir zeigen mitnichten nur düsteres Kino aus Ost- und Mitteleuropa. Viele Filmemacher kommentieren ihre Gesellschaft mit schwarzem Humor oder aus sehr persönlichen Blickwinkeln oder drehen Genrefilme, die es - technisch wie narrativ - mit der internationalen Konkurrenz durchaus aufnehmen können."

Was sie in der Vergangenheit ja auch längst bewiesen haben. Exemplarisch dafür steht "No Man's Land" von Danis Tanovic aus Bosnien-Herzegowina. Das Kriegsdrama war 2001 in Cottbus mit dem Publikumspreis ausgezeichnet worden - und ein halbes Jahr später mit dem Oscar für den besten fremdsprachigen Film.

Die Wettbewerbsfilme glänzen wieder durch Genrevielfalt, da gibt es Liebesgeschichten, Komödien und Familiendramen - gern vor historischem Hintergrund, es wird kriminell, übersinnlich und gar dämonisch.

Ebenfalls einen Überblick über die wichtigsten Trends des aktuellen osteuropäischen Kinos gibt der Kurzfilmwettbewerb, der mit 13 Beiträgen zeigt, wie sich der Kurzfilm in Osteuropa zu einer eigenen Kunstform entwickelt hat. Daneben vergleicht der U18 Deutsch-Polnische Wettbewerb Jugendfilm den Alltag Heranwachsender hierzulande und bei dem östlichen Nachbarn Deutschlands. Eine Schülerjury aus den Partnerstädten Cottbus und Zielona Góra entscheidet, welcher der sechs Streifen Hauptpreisträger wird. Insgesamt werden beim 25. Festival Preise im Wert von 77 750 Euro vergeben.

Der Fokus des Festivals liegt in diesem Jahr auf dem "Osteuropa der Städte". Dabei wird der urbane Geist der osteuropäischen Metropolen eingefangen, und es geht um die Frage: Wie verändern sich die Städte, wie verändern sie die Menschen? Landflucht und Gentrifizierung sind Herausforderungen, vor denen nicht nur osteuropäische Gesellschaften stehen.

2012 stand das Thema Religion im Fokus des Festivals, nun wird ein Teilaspekt der religiösen Identität Osteuropas erneut aufgegriffen: der Islam. In der aktuellen Auseinandersetzung oft in erster Linie mit Extremen und Fundamentalismus assoziiert, will das Special: Islam gezielt den Blick in eine andere Richtung führen: "Wir möchten schlaglichtartig aufzeigen, wie ein muslimisch geprägter Alltag in Osteuropa aussieht - weit entfernt von den gängigen Klischees", sagt Programmdirektor Bernd Buder.

Eröffnet wird das Festival üblicherweise mit ungewöhnlichen Filmen, diesmal kommt die Überraschung aus dem Fernsehen: Noch vor der Ausstrahlung wird am heutigen Dienstagabend im Großen Haus des Staatstheaters Cottbus der neue "Polizeiruf 110: Grenzgänger" des Rundfunks Berlin-Brandenburg (rbb) gezeigt. Es ermitteln Kriminalhauptkommissarin Olga Lenski (Maria Simon) und Kriminalhauptkommissar Adam Raczek (Lucas Gregorowicz), ein Deutscher mit polnischen Wurzeln, im Grenzgebiet nahe Frankfurt (Oder).

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