Zugleich betont er: "Die Arbeit mit den Akten geht an anderen Orten weiter."

Künftig sollen die Papierschnipsel in den ostdeutschen Außenstellen der Behörde und in der Zentrale zusammengefügt werden. Wann Papiere in großem Umfang per Computer zusammengesetzt werden können, bleibt offen. Der Projektfortschritt verzögere sich, sagt der frühere DDR-Oppositionelle.

Zuletzt hatten vier Mitarbeiter der Behörde und vier abgeordnete Mitarbeiter des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge zerrissene Stasi-Akten mühevoll zusammengepuzzelt. Seit 1995 wurden so rund 1,5 Millionen Blätter wieder hergestellt. Angesichts des Flüchtlingsstroms würden die Beschäftigten nun aber für das Bundesamt arbeiten. Das sei jetzt dringender.

Aus den rekonstruierten Papieren werden weitere Erkenntnisse über das Wirken der DDR-Staatssicherheit erwartet. Im Herbst 1989 wollten Offiziere massenhaft Akten vernichten. Nachdem die Reißwölfe heiß liefen, wurde auch per Hand zerfetzt. Bürgerrechtler stoppten die Aktion und retteten massenhaft Akten.

Die zerrissene Hinterlassenschaft wurde in 16 000 Säcken gelagert. Daneben blieben 111 Regal-Kilometer unversehrte Papiere erhalten. Seit 1995 wurde der Inhalt von mehr als 500 Säcken zumeist per Hand zusammengesetzt.

Die Schnipsel aus etwa 15 500 Säcken sind noch nicht erschlossen. An der virtuellen Rekonstruktion arbeitet seit 2007 das Fraunhofer Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik. In das Pilotprojekt flossen bereits 6,5 Millionen Euro. "Die Software für die weltweit einmalige Technologie funktioniert, doch an einem entsprechend leistungsfähigen Scanner muss noch gearbeitet werden", sagt Jahn. Derzeit werde ein neuer Vertrag geprüft, damit die Entwicklung der Technologie weitergehen könne.

"Wir machen hier sorgsam weiter. Gerade die Opfer wollen wissen, was in den Akten steht. Die Stasi darf nicht im Nachhinein bestimmen, was wir lesen können und was nicht", sagt der Bundesbeauftragte für Stasi-Unterlagen. Die Software für das gigantische Computer-Puzzle kann bereits seit zwei Jahren Risskanten, Schrift- und Papierarten zuordnen. Doch die Schnipsel müssen bislang per Hand in herkömmliche Geräte eingelegt werden. Außerdem seien die Scanner zu langsam. Akten aus 13 Säcken - das entspreche etwa 45 000 Seiten - seien auf diesem Wege zusammengefügt worden und nun im Archiv der Behörde, sagt Jahn.

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Der frühere Leipziger Stasi-Chef Manfred Hummitzsch ist tot. Er starb am Mittwoch im Alter von 86 Jahren nach langer Krankheit in Berlin, wie seine Familie auf Nachfrage bestätigte. Er war viele Jahre lang bis zur Wende Chef der Leipziger Bezirksverwaltung des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) in der DDR. Hummitzsch - zuletzt im Rang eines Generalleutnants - soll eine wichtige Rolle dabei gespielt haben, dass die Montagsdemonstrationen in Leipzig ohne Blutvergießen blieben. Über seine Arbeit als Stasi-Chef stand Hummitzsch auch Medien Rede und Antwort. So wies er in einem Interview der Zeitung "Junge Welt" im November 2009 Darstellungen zurück, die DDR-Führung habe im Vorfeld der Montagsdemonstration am 9. Oktober 1989 in Leipzig vorsorglich Leichensäcke bestellt, Herzchirurgen in der Behandlung von Schusswunden unterweisen und Panzer vorfahren lassen. Hummitzsch gab zu Protokoll, dass ihm Stasi-Chef Erich Mielke die Anweisung zum Gewaltverzicht in einem Telefonat persönlich übermittelt habe.