Hilfe sucht der Minister jetzt in Niederösterreich, dem Bundesland rings um Wien, das mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hat. Deren Landeshauptmann Erwin Pröll - zugleich Präsident der Europäischen Arge Landentwicklung und Dorferneuerung - eröffnete gestern in Dresden die Tagungsreihe „Dorf der Zukunft“ der Akademie Ländlicher Raum mit einer Mut machenden Botschaft: Im Gegenzug zur Landflucht hätten viele Städter eine Landsehnsucht, es gebe auch eine Abwanderung in die Dörfer hinein. Am Wochenende seien die Ausfallstraßen von Wien ins Umland verstopft. Um die Menschen in den am schlimmsten betroffenen Gegenden zu halten, zahlt Niederösterreich dort am meisten Wohnbauförderung, wo auch die Abwanderung am höchsten ist. Zudem sollten Dörfer mehr soziale Netzwerke knüpfen, die den Familienverband ersetzen, sagt Pröll. Eine Großmutter könne die Betreuung gleich mehrerer Kinder berufstätiger Eltern übernehmen, junge Leute könnten sich um die Altenpflege kümmern. Die Menschen sollten von Betroffenen zu Beteiligten werden, sagt der Landeshauptmann.
Eine Chance für den Arbeitsmarkt sei der Umstieg auf die Produktion von Biomasse-Energie wie Raps, Holz und Weizen. Niederösterreich wolle den Anteil heimischer Energien von acht auf 25 Prozent steigern und damit die Arbeitsplätze in der Landwirtschaft mindestens erhalten. Prölls Leitspruch: „Wenn das Dorf nicht mehr atmet, erstickt die Stadt.“ Auch Tillich schöpft wieder Hoffnung: Mittlerweile gebe es mehr Anträge für Investitionen in ländliche Betriebe, als das Förderbudget hergibt.