„Die Ertüchtigung des Tagebaus Reichwalde ist das letzte große Projekt in meinem Berufsleben. Ich fiebere schon eine ganze Weile dem heutigen Tag entgegen“, sagt Wolfgang Winkler, Leiter des Projektes Tagebau Reichwalde. Ende des Jahres will der 58-Jährige aus dem aktiven Berufsleben ausscheiden.

„Die Arbeit in den vergangenen vier Jahren war sehr anspruchsvoll und für alle Beteiligten eine große Herausforderung“, betont Wolfgang Winkler. Vor der offiziellen Inbetriebnahme haben er und seine Kollegen schon einige Funktionsproben gemacht, um zu sehen, ob die Förderbrücke auch wirklich arbeitet. „Schließlich wollen wir uns ja nicht blamieren, wenn der obligarorische Knopfdruck erfolgt“, sagt Wolfgang Winkler schmunzelnd.

Insgesamt 350 Millionen Euro hat Vattenfall in die Ertüchtigung der Förderbrücke und des lange ruhenden Tagebaus investiert. Vier Jahre lang wurde daran gearbeitet, damit der Tagebau Reichwalde, der 1999 seinen Betrieb eingestellt hat, wieder anläuft. Ursprünglich sollte der Tagebau Reichwalde den in den nächsten Jahren zur Neige gehenden Kohlevorrat im Tagebau Cottbus-Nord ersetzen. Mit der noch in diesem Jahr geplanten Inbetriebnahme des neuen Kraftwerksblockes R in Boxberg wird Reichwalde erst einmal die Versorgung des Kraftwerkes Boxberg mit Kohle sichern.

Anfangs wird die F 60 täglich zwischen 30 000 und 50 000 Kubikmeter Abraum fördern. Bis die Kohle dann tatsächlich freigelegt ist, dauert es noch ein Weilchen. „Je nach den geologischen Gegebenheiten beträgt die Mächtigkeit des Abraumes im Durchschnitt 42 Meter und die der Kohle zehn Meter“, erklärt Hansjürgen Domko, Referent des Tagebaus Reichwalde.

Die Förderbrücke F 60 hat zum ersten Mal im Jahre 1988 ihren Dienst im Tagebau Reichwalde aufgenommen. 1999 wurde sie stillgelegt und lag dann in einer Art Dornröschenschlaf. Mit einer Rundumerneuerung wurde sie wieder „wachgeküsst“. „Die Eigenschaften der Brücke blieben weitgehend erhalten. Die Baugruppen wurden ertüchtigt und die Antriebs- und Steuerungstechnik auf den neuesten Stand gebracht“, erläutert Hansjürgen Domko. Damit sei auch die Lärmbelästigung nicht mehr so hoch wie früher. „Die F 60 ist nach wie vor die effektivste Technik für die Lausitzer Tagebaue. Auf kürzestem Weg können die Abraummassen auf die Verkippungsseite befördert werden“, so der Tagebau-Referent.

Die erste Kohle wird voraussichtlich im dritten Quartal dieses Jahres gefördert und dann über die neue 13,5 Kilometer lange Bandanlage in das Kraftwerk Boxberg transportiert. Der Bedarf für das Kraftwerk, einschließlich des neuen Blocks R, beträgt täglich bis zu 45 000 Tonnen Kohle. Dabei werden die Tagebaue Reichwalde und Nochten wechselseitig gefahren. Mit der Inbetriebnahme von Reichwalde hat sich die Zahl der Beschäftigten kaum verändert. Die 200 Mitarbeiter sind künftig in beiden Tagebauen abwechselnd tätig. Die Arbeit ist damit voraussichtlich für die nächsten 30 Jahre gesichert. Der verfügbare Kohlevorrat in Reichwalde wird nach Angaben von Vattenfall auf 366 Millionen Tonnen beziffert.

Auch wenn für die Weiterführung des Tagebaus Reichwalde keine Umsiedlungen erforderlich sind, so mussten und müssen dennoch einige Vorkehrungen getroffen werden, um die Auswirkungen für Natur und Menschen so gering wie möglich zu halten. Zur Sicherung des Grundwasserspiegels der angrenzenden Teichlandschaft wird gegenwärtig im ersten Bauabschnitt eine 4,2 Kilometer lange Dichtwand errichtet. Bis zum Jahr 2020 soll die Dichtwand in nördlicher Richtung weitergeführt werden. Die schmale wasserundurchlässige Wand ist durchschnittlich 45 Meter tief und soll den Grundwasserspiegel auf seinem natürlichen Niveau halten. In den Jahren 2011 bis 2014 ist geplant, den Weißen Schöps auf einer Länge von 13 Kilometern umzuverlegen.