Als die ersten Bomben fallen, schalten auch die saudischen Medien sofort auf Kriegsmodus um. Seit Donnerstag inszeniert der mit Geld aus Riad finanzierte TV-Sender Al-Arabija praktisch nur noch ein Thema: die saudische Militärintervention gegen die schiitischen Huthi-Rebellen im Jemen. Besonders oft taucht Verteidigungsminister Mohammed bin Salman auf, etwa wie er den Einsatz persönlich überwacht. Die Botschaft ist klar: Die Herrscher in Riad wollen Entschlossenheit demonstrieren.

Die Militärintervention führt der Welt sehr deutlich vor Augen, dass Saudi-Arabien die letzte verbliebene arabische Regionalmacht ist. Die Golfstaaten stehen treu an der Seite Riads. Selbst das bis vor kurzem widerspenstige Katar, das mit Saudi-Arabien lange im Clinch lag, steht in Reih und Glied. Auch die Ägypter, einst stolze Anführer in der Region, sind mittlerweile so abhängig von saudischen Geldern, dass sie kaum widersprechen könnten, selbst wenn sie wollten.

Mit dem Einsatz macht Riad auch seinen Willen klar, die Aufgabe einer Regionalpolizei zu übernehmen, wenn es sich und seine Interessen in Gefahr sieht. Damit bleibt König Salman, der die Herrschaft im Januar nach dem Tod seines Halbbruders Abdullah übernahm, der bisherigen Linie des Königreichs treu. Schon 2011 schickte Saudi-Arabien Truppen in den benachbarten Golfstaat Bahrain, als dort Massendemonstrationen von Schiiten das sunnitische Herrscherhaus bedrohten.

In den vergangenen Jahren hat Saudi-Arabien viele Milliarden ausgegeben, um seine Stellung als Regionalmacht auszubauen. Kein Land weltweit importiert so viele Rüstungsgüter und Waffen wie das sunnitische Königreich. Im vergangenen Jahr steigerten die Saudis ihre Ausgaben dafür um 54 Prozent - so soll es weitergehen.

Vordergründig agiert Riad also aus einer Position der Stärke. Tatsächlich aber sieht sich das Königshaus massiv bedroht. Im Norden ist die sunnitische Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bis an die irakisch-saudische Grenze vorgerückt. Zudem haben im Irak die Schiitenmilizen ihre Macht ausgebaut. Sie sind eng dem ebenfalls schiitischen Iran verbunden, einem Erzfeind der Saudis.

Teheran unterstützt auch die schiitischen Huthi-Rebellen im Jemen und droht so, seinen Einfluss an den Grenzen des Königreichs auszubauen. "Riad hat Sorge, dass der Iran auch in Saudi-Arabien Unruhen entfachen könnte", sagt die Golf-Expertin Jane Kinninmont von der Londoner Denkfabrik Chatham House. Im Osten des Königreichs lebt eine große schiitische Minderheit, die nach Teheran blickt.

All das war Grund genug für die Führung in Riad, jetzt den Befehl für die Militärintervention zu geben - zumal es niemanden sonst mehr gibt, der stattdessen eingreifen könnte. Die Saudis und ihre Verbündeten hätten nicht das Gefühl gehabt, dass die USA oder eine andere auswärtige Macht die Lage stabilisieren könnten, sagte David Rothkopf, Chef des Magazins "Foreign Policy", dem US-Sender PBS. "Und so mussten sie selbst aktiv werden."

Doch es ist eine äußerst riskante Militärintervention. Durch Luftschläge allein könne die chaotische Lage im Jemen nicht unter Kontrolle gebracht werden, weil Riad ein starker Verbündeter im Land fehle, warnt Frederic Wehrey von der US-Denkfabrik Carnegie. Auch mit einer Bodeninvasion ließe sich ein Krieg in Arabiens Armenhaus kaum gewinnen, schon allein weil es dort mit den Huthis, sunnitischen Stämmen und einem mächtigen Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida viele unterschiedliche Kräfte gibt.

Stattdessen verstärkt der Einsatz den ohnehin schon starken Gegensatz zwischen Saudi-Arabien und dem Iran. So könnte sich der Konflikt im Jemen in einen Stellvertreterkrieg zwischen Riad und Teheran verwandeln - mit ungewissen Auswirkungen auf die ganze Region. In Syrien führen beide Länder praktisch schon einen solchen bewaffneten Konflikt. Iran stützt das Regime in Damaskus, Saudi-Arabien die Rebellen - mit verheerenden Folgen für das Land.

Die arabische Welt stürzt der Einsatz in ein noch blutigeres Chaos. Mit Libyen, Syrien, dem Irak und Jemen werden mittlerweile in vier Ländern der Region Konflikte mit Waffen ausgetragen. In keinem der Staaten besteht die Aussicht, dass bald Frieden einkehren wird. Und auch die Huthis im Jemen machen nicht den Eindruck, als wollten sie nachgeben. Entschlossenheit zeigte nämlich auch Rebellen-Führer Abdulmalik al-Huthi, als er in einer Fernsehansprache drohte: "Der Jemen wird der Friedhof der Angreifer sein."