Pendler zwischen Berlin und Cottbus können den dramatischen Ereignissen rund um das zurückliegende Hochwasser auch etwas Positives abgewinnen. Viele Zugumleitungen auf der Strecke Hannover-Berlin haben sich auch positiv auf die Pünktlichkeit des Regionalexpresses 2 ausgewirkt. Denn derzeit sind weniger Züge auf den Gleisen der Hauptstadt unterwegs. Der RE 2 sei mittlerweile in mehr als 90 Prozent der Fälle pünktlich, sagt Arnulf Schuchmann, Sprecher der Odeg-Geschäftsführung.

Ein Blick in die Verspätungstabelle der Odeg zeigt allerdings, wie unbeständig die Linie 2 ist. Waren im Februar noch 65 Prozent aller Züge pünktlich, fiel der Wert Anfang Juni auf das bisherige Rekordtief von 35 Prozent. "Viele Baustellen und Hochwasser-Chaos", nennt Schuchmann als Gründe.

Damals sei noch nicht klar gewesen, wie die Züge der Deutschen Bahn, die nicht mehr über die noch bis Dezember gesperrte Elbbrücke bei Stendal fahren konnten, umgeleitet werden. Die Entlastung für das Berliner Nadelöhr in Spandau zeichnete sich noch nicht ab.

Für mehr als 200 Millionen Euro wurde einst der Ausbau der Verbindung Cottbus-Berlin realisiert. Doch die ansonsten zweigleisige Strecke hat zwischen Lübbenau, Vetschau und Cottbus nur eine Spur. Die Bahn hatte seinerzeit den Rückbau damit begründet, dass man aufgrund der Fahrgastzahlen und des Güterverkehrsaufkommens nur ein Gleis benötige. Das macht nun der Odeg zu schaffen. Denn die muss oft tatenlos zusehen, wie sich eingefahrene Verspätungen im Berliner Nadelöhr erhöhen, und Züge auf der eingleisigen Strecke in Richtung Cottbus warten müssen, bis der Gegenverkehr passiert hat.

Der Brandenburger Landtagsabgeordnete Rainer Genilke (CDU) fordert daher eine Teilung der Zugstrecke Cottbus-Wismar in Berlin. "Wenn nicht durchgefahren wird, können sich die Verspätungen auch nicht aufsummieren", sagt Genilke. Der RE 2 wäre somit verlässlicher für Pendler zwischen der Hauptstadt und Cottbus.

Dass das Verspätungs-Problem zum Teil in Berlin liegt, sieht so auch Wolfgang Krüger, Hauptgeschäftsführer der IHK Cottbus. "Eine Entzerrung des Fahrplanes würde hilfreich sein", so Krüger zur RUNDSCHAU. Die brandenburgische Landesregierung weist in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage von CDU-Mann Genilke darauf hin, dass es Änderungen bereits ab dem Fahrplan 2014 geben wird. Dann soll nämlich die Linie RE 6 wieder nach Berlin Gesundbrunnen fahren und so den Bahnhof Berlin Spandau entlasten. Außerdem soll die RB 14 von Senftenberg durch eine Verlängerung nach Berlin aufgewertet werden. "Das würde die Linie RE 2 insbesondere im Abschnitt Königs Wusterhausen-Berlin, aber auch im Abschnitt Lübbenau-Königs Wusterhausen entlasten", heißt es in der Antwort weiter.

Neben den Schwierigkeiten mit dem Fahrplan machen der Odeg allerdings auch die "Kinderkrankheiten" in den neuen Doppelstockzügen (Typ Kiss) noch zu schaffen. Obwohl die 16 Fahrzeuge umfassende Flotte erst seit dem vergangenen Wochenende komplett ist, sind zwei Züge schon wieder für Tests beim Hersteller. "Wir bemühen uns um die kurzfristige Beseitigung der noch auftretenden Kinderkrankheiten", sagt Schuchmann. Außerdem werden derzeit Tests für Mehrfachtraktionen durchgeführt. In diesem Fall sollen zwei Fahrzeuge hintereinander gehängt werden. So könnten mit einer Fahrt mehr Passagiere befördert werden. Laut Schuchmann sei das auf der Strecke Berlin-Cottbus aber noch nicht geplant.

"Die Verspätungsquote des RE 2 ist weiterhin nicht zufriedenstellend und liegt über dem Landesdurchschnitt", sagt IHK-Chef Krüger. "Es führt kein Weg an einem zweiten Gleis zwischen Lübbenau und Cottbus vorbei", sagt er. Diese Forderung unterstützten neben der IHK mittlerweile auch der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg und das Land Brandenburg.

Unterdessen hat die Bahn angekündigt, dass die Brücke bei Stendal noch bis zum Dezember gesperrt bleiben soll. Allerdings sollen einige Fernverkehrszüge auch über die Strecke des RE 2 umgeleitet werden - was laut Schuchmann auch wieder zu Verspätungen auf der Strecke Berlin-Cottbus führen wird.