ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 01:09 Uhr

Regionale Spezialitäten auf Schlemmermeile sehr gefragt

Die Grüne Woche in Berlin gilt seit Jahrzehnten als längste Schlemmermeile der Welt. Mehr als 1600 Aussteller aus aller Herren Länder, darunter zwei Drittel aus dem Bereich der Ernährungswirtschaft, präsentierten bis gestern auf fast 115 000 Quadratmetern ihre Produkte. In der Brandenburg-Halle, in der Bund-Länder-Schau und am Stand des Freistaates Sachsen boten auch rund zwei Dutzend Erzeuger aus der Lausitz und der Elbe-Elster-Region Süßes und Saures, Mildes und Scharfes an. Von Wolfgang Swat

Ulf Röttig, Verkaufsleiter der Wiener Feinbäckerei Heberer aus Hoyerswerda, ist regelrecht happy. "Es war einfach großartig, genau so, wie ich es mir vorgestellt und gewünscht hatte", schwärmt der Mann aus der sächsischen Großbäckerei, die zum ersten Mal den Gang in die Messehallen unter dem Funkturm gewagt hat. Die Naschtüte für 2,50 Euro mit acht verschiedenen Minibackwaren seien der Renner gewesen, so Röttig. "Wir hatten wirklich gut zu tun auf der Messe. Das motiviert und lässt die Strapazen einer solchen Messe leichter ertragen", zieht der Verkaufschef der Wiener Bäcker und Konditoren aus Hoyerswerda eine positive Bilanz.
Ein Wunder ist das nicht. Erstens hat es den Messebesuchern prima geschmeckt, was an Spezialitäten angeboten wurde, und dann haben die Hoyerswerdaer beim ersten Auftritt auf der Schlemmermeile unter dem Berliner Funkturm gleich einen Preis ergattert: Das Gütesiegel "Bewährte Qualität aus Sachsen" für den Baumkuchen nach Cottbuser Art. "Wir wollten unsere Produkte einem breiten Publikum vorstellen und vor allem auch auf dem Berliner Markt bekannter werden", so Röttig. Er ist überzeugt, dass es erreicht wurde. "Das ist gut so, denn es sichert Arbeitsplätze", blickt er optimistisch in die Zukunft. Immerhin stehen im Hoyerswerdaer Betrieb 200 Bäcker, Konditoren und Angestellte in Lohn und Brot.

Honig von der Ölweide war Erfolg
Zu den Messeneulingen gehörte auch der Imkerfachhandel Neiße aus Lan gengrassau im Elbe-Elster-Kreis. "Die Tage hier sind nicht mit Geld aufzuwiegen", fasst Holger Neiße seine Eindrücke zusammen. "Es sind viele Leute zu uns gekommen, die für das Geschäft und die Imkerei gut sind", freut sich der Bienenhalter über die Resonanz. Vor allem der Honig aus der Ölweide sei viel probiert und oft gekauft worden. "Die Ölweide", so erklärt Neiße, "ist ein Busch, der über zwei Meter hoch wird und vor allem in den Tagebaugebieten als Windschutz gepflanzt wird. Die Bienen sammeln von den Ölweide-Blüten einen sehr milden Honig. Den gibt es fast ausschließlich aus unserer Region", schwärmt der Imker. Er könne sich vorstellen, im nächsten Jahr wieder und dann vielleicht sogar mit einem etwas größerem Stand dabei zu sein.
Zu den Stammgästen aus der Region gehört der Spreewaldhof in Golßen. Mit der Get-one-Gewürzgurke sorgten die Golßener einst für Aufsehen. Diesmal hatten sie eine Schwester des Würzgemüses in der Dose, eine Get- one-Salzgurke, ins Rennen geschickt. "Die Kunden haben die Get-one-Gurken gemischt gekauft und sich über die Ergänzung gefreut", schätzt Ute Engelmann ein. Anerkennung für die Neuerung aus Golßen gab es auch von der märkischen Marketing-Organisation pro Agro, die die salzige Get-one mit einem Preis bedachte. Den bekamen übrigens auch Joghurt-Produkte aus dem Campina-Werk in Elsterwerda. "Die gesamte Produktpalette wird bekannter", beschreibt Erhard Buchholz, Leiter des Campina-Standortes Berlin, den Messeerfolg.
Scharf und lustig ging es in der Kochakademie der Brandenburger Landgasthöfe zu. Das nach alten Rezepten Gekochte - Weißkohl der Göritzer Agrar GmbH, Sauerkraut der Rabe Spreewälder Konserven GmbH, Schinken aus Turnow und Gemüse aus Klein Radden - ging hundertfach an die Feinschmecker. "Beim Probieren der Meerrettich-Variationen habe es vielen zwar Tränen in die Augen getrieben, doch geschmeckt habe es den meisten", stellt Landgasthöfe-Sprecher Peter Franke aus Werben fest. Immerhin habe er dreimal das Wurzelgemüse nachbestellen müssen. Rund 300 Kilogramm seien unters Messevolk gebracht worden, freut sich Franke. Seinen Spreewaldteller mit viel Kraut habe er jedoch aus dem Angebot genommen. Die von ihm gewählte Bezeichnung Hartz-IV-Teller sei vor allem Politikern aufgestoßen, so Frankes Eindruck.
Nicht ganz den Umsatz vom vergangenen Jahr erreicht hat die Landfleischerei Turnow. "Viele Leute haben interessiert die Auslagen betrachtet und sind dann weitergegangen. Das Geld ist eben knapp geworden", sieht Fleischereichef Wolfgang Palme als Ursache. "Außerdem wollen die Besucher immer was Neues haben", ist eine weitere Erkenntnis. Voriges Jahr mit der Gurkenbockwurst sei den Tur nowern ein Hit gelungen. Die in diesem Jahr kreierte Gurkenbratwurst sei zwar auch gut angekommen, doch sie nehme nun einmal bei der Zubereitung mehr Zeit in Anspruch.
Auch Ute Engelmann von der Spreewaldkonserve Golßen ist die Kaufzurückhaltung der Leute aufgefallen. Sie habe zudem den Eindruck, "dass weniger Besucher als im vorigen Jahr da waren, auch wenn die Messeleitung andere Zahlen nennt", schätzt sie ein.
Sehr zufrieden zeigt sich Brandenburgs Minister für den ländlichen Raum, Dietmar Woidke (SPD). "Das Interesse an Brandenburger Produkten ist ungebrochen. In der neu gestalteten Brandenburghalle sei erfolgreich auf märkische Produkte und das Land Appetit gemacht worden", so Woidke. Die Kosten von 500 000 Euro für die Präsentation in einer eigenen Halle sieht er gut angelegt. Selbst wenn es etwas weniger Beteiligung als im vergangenen Jahr gegeben habe, so sei Brandenburg mit 150 Ständen noch immer größter Aussteller gewesen. Man habe in diesem Jahr mehr auf Qualität und weniger auf Quantität gesetzt, war die ministerielle Begründung für die rückläufige Ausstellerzahl.

Peitzer machten Messe-Pause
Zu den fern Gebliebenen gehörte in diesem Jahr die Peitzer Edelfisch GmbH. Bei deren Chef, Wilfried Donath, kam die Woidke-Feststellung gar nicht gut an. "Aus Peitz kommen Qualitätsprodukte", verteidigt Donath seine Fischerzeugnisse. Allerdings habe man diesmal den Eindruck gehabt, dass vom Ministerium kein übergroßer Wert auf eine Präsentation aus Peitz gelegt wurde. "Da haben wir eben mal pausiert, zumal gerade in diesen Tagen viel zu tun ist", sagt Donath.
Die Peitzer bereiten gegenwärtig nach Angaben von Wilfried Donath eine Kooperation mit dem größten nationalen Fischhändler, der Deutschen See GmbH vor. Künftig werde man in der größten deutschen Binnenfischerei für den Partner auch verschiedene Fische aufziehen, stellt Donath eine Produktionserweiterung in Aussicht. Im nächsten Jahr werde man sich aber bestimmt wieder auf der Grünen Woche darstellen. "Das ist einfach für unser Image wichtig", blickt der Peitzer Edelfisch-Chef voraus.
Vom Imagegewinn durch den diesjährigen Auftritt auf dem Brandenburgtag ist Klaus Richter (SPD), Landrat des Elbe-Elster-Kreises, überzeugt. 15 000 Euro hat der Kreis investiert, um das Elbe-Elster-Land über die Messe in Berlin bekannt zu machen. Radwanderkarten und Informationsbroschüren seien weggegangen wie warme Semmeln. In der Tat waren viele Besucher überrascht, was die landwirtschaftlich geprägte Region zwischen Finsterwalde und Herzberg alles zu bieten hat: 408 Agrarbetriebe werden hier gezählt. 6500 Schafe sind als Landschaftspfleger zu beobachten. 16 Reiterhöfe bieten Sport und Entspannung an. Die ländliche Idylle wird ergänzt durch hundertjährige Bergbaugeschichte, die im liegenden Eiffelturm, der Abraumförderbrücke F60 in Lichterfelde in der Nähe von Finsterwalde, oder in der alten Brikettfabrik Louise, die heute Museum ist, zu entdecken ist. Richter hofft, dass sich demnächst viele Messebesucher auch diese regionale Spezialität gönnen.