Wenn Braumeister Markus Klosterhoff am Zapfhahn steht, dann weiß er genau, was im Krug landet. Das Getreide kommt aus Brandenburg, der Hopfen aus Sachsen, die Hefe aus Berlin. "Regional ist das neue Bio", sagt Klosterhoff vom Finsterwalder Brauhaus (Elbe-Elster). Zur Grünen Woche in Berlin hat er mit Bock- und Rauchbier zwei Saisonspezialitäten mitgebracht. "Ich gehe davon aus, dass wir davon alles bei der Messe verkaufen werden", sagt er.

Zur weltgrößten Agrarmesse haben sich 1630 Aussteller angemeldet. Es werden mehr als 400.000 Besucher erwartet. Die Brandenburghalle gehört auf dem Messegelände am Funkturm zu den größten Hallen mit den meisten Besuchern. Sachsen muss sich mit Nordrhein-Westfalen die Ausstellungsfläche teilen.

Die Nachrichten zum Start der Messe waren gut. So verkündete Bauernpräsident Joachim Rukwied, dass das Einkommen in der Landwirtschaft um 3,6 Prozent gestiegen sei. In der brandenburgischen Ernährungswirtschaft, um die es bei der Grünen Woche hauptsächlich geht - arbeiten mehr als 12.000 Menschen. Laut Agrarministerium erzielten die Brandenburger Landwirte zuletzt einen Umsatz von 3,5 Milliarden Euro. Kennzeichnend für die Branche sei der hohe Anteil der Verarbeitung heimischer Agrarrohstoffe. Mehr als 70 Prozent der Betriebe sind in den Bereichen Schlachtung, Backwaren, Obst- und Gemüseverarbeitung sowie Molkerei zu finden.

Im hauptsächlichen Absatzmarkt - Berlin und Brandenburg - leben mehr als sechs Millionen Menschen. Auch Maik Palme von der Landfleischerei Turnow (Spree-Neiße) ist gemeinsam mit seinen Kollegen ständig auf der Suche nach neuen Trends. Mit 20 Filialen kaufen täglich Hunderte die Produkte der Fleischerei. "Bei der Grünen Woche können wir testen", sagt er. Diesmal hat er Rindfleisch in Meerrettich-Sülze mitgebracht. "Wird das ein Erfolg, gibt es das in zwei Wochen in unseren Filialen", sagt er. Im Sortiment der Fleischerei finden sich viele regionale Produkte. Zum Beispiel die Bockwurst mit Gurke. "Haben wir auch auf der Grünen Woche getestet. Ist ein großer Erfolg", so Palme.

Aus der Heimat, für die Heimat. Das ist auch das Motto von Petra Wetzel aus Hohenleipisch (Elbe-Elster). In ihrer Heidemanufaktur gibt es unter anderem Erdbeer- und Mispellikör, Obstler, Kürbisaufstrich und Heideseife. "Bei mir kaufen Genießer", sagt Petra Wetzel. Ihr kleines Unternehmen gibt es seit einem Jahr. Im sächsischen Riesa betreibt sie einen Laden. "Die Leute wollen regionale Produkte", sagt sie.

Während die Brandenburger ihre Stände am Donnerstag schon aufgebaut hatten, wurde beim Nachbarbundesland Sachsen noch geschraubt, gehämmert und gesägt. 36 Unternehmen und Verbände werden sich unter dem Motto "Sachsen genießen" präsentieren. Bei dem Freistaat soll in diesem Jahr das Thema Urlaub in den Vordergrund gerückt werden. Und auch hier heißt das Motto: Regional ist das neue Bio. Sächsische Biere, Landbrot aus Colditz, Wein aus Meißen, Käse aus Falkenhain. Derzeit liegt die Exportquote sächsischer Nahrungsmittel bei ungefähr 10 Prozent. Aus dem sächsischen Landwirtschaftsministerium heißt es, dass da noch Luft nach oben sei.

So wird dieses Jahr zum ersten Mal die Firma Bernhard Werner aus Freital dabei sein. Das Unternehmen startete nach der Wende neu. Drei Produkte hatte das Unternehmen damals im Angebot. Mittlerweile arbeiten in dem Freitaler Betrieb 20 Menschen. Die regionale Produktpalette ist von Quarkkeulchen bis Erbsenpüree auf mehr als 20 Angebote angewachsen.