Der Wettstreit hat begonnen. Anfang der Woche verabschiedete das SPD-Präsidium ein Bildungskonzept, in dem die Abschaffung der Hauptschule und beitragsfreie Kita-Plätze für Kinder von eins bis sechs Jahren versprochen werden. Am Montag wird Parteichef Kurt Beck bei einer großen SPD-Bildungskonferenz eine Grundsatzrede halten. Auch die Union ist nicht mehr tatenlos: Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ist auf Bildungsreise, zugleich debattieren die unionsgeführten Länder über ein gemeinsames Zukunftsprogramm, mit dem das marode System flott gemacht werden soll. "Das wird ein spannender Herbst", wissen Bildungspolitiker aller Parteien.
Seit im Juni der nationale Bildungsbericht von Bund und Ländern vorgelegt worden ist, den das Bundeskabinett gestern verabschiedete, ist die Krise des Systems zurück ins allgemeine Bewusstsein gekehrt. Jedes Jahr verlassen knapp 80 000 junge Menschen die Schulen ohne Abschluss, es gibt zu viele Schulabbrecher und Hauptschüler ohne Berufschancen, es gibt zu wenig Studenten und Defizite in der Weiterbildung. Als Reaktion darauf münzte Merkel den lange geplanten Qualifizierungsgipfel in einen nationalen Bildungsgipfel um.

Einig über Aufstieg durch Bildung
Gestern präsentierte die zuständige Bundesministerin Schavan einen Fünf-Punkte-Plan für das Treffen. "Aufstieg durch Bildung" heißt dieser - das steht auch über dem SPD-Konzept. Ihre Kernpunkte sind eine Stärkung der frühkindlichen Bildung, bessere Sprachvermittlung sowie eine größere Durchlässigkeit des deutschen Bildungssystems. Schwache Schüler aus Problemfamilien oder von Migranten sollen zur Vermeidung eines vorzeitigen Schulabbruchs bereits ab der 7. Klasse mit Mitteln der Bundesagentur für Arbeit gezielt gefördert werden können. Darauf einigte sie sich mit Ministerkollege Scholz.

Einsparungen bleiben im Bildungssystem
Vieles liegt nun auf dem Tisch, und einiges davon wird eben nicht auf dem Gipfel eine Rolle spielen, sondern taugt vor allem für den nahenden Bundestagswahlkampf. Vor allem das SPD-Konzept ist darauf ausgerichtet. Zum Schwur kommt es dennoch am 22. Oktober in Dresden, weil die öffentlichen Erwartungen an konkrete Maßnahmen groß sind - und seitens der Politik auch geschürt wurden. Eine Arbeitsgruppe von Bund und Ländern bereitet momentan auf Staatssekretärebene ein gemeinsames Papier vor, das Grundlage der Beschlüsse beim Gipfel sein soll. Es wird dem Vernehmen nach einiges von dem enthalten, was Schavan gestern vorgestellt hat. Überdies ist wohl klar: Die Mittel, die durch sinkende Schülerzahlen frei werden, werden im Bildungssystem verbleiben. Dafür sind sowohl Union und SPD.
Ein neues, gemeinsames Ganztagsschulprogramm hingegen ist nicht in Sicht: Das alte, das der Bund mit vier Milliarden Euro initiiert hatte, läuft aus. Seit der Föderalismusreform hat er in diesem Bereich keine Kompetenz mehr, allerdings könnte der Bund Mittel über die Jugendhilfe bereitstellen. "Das ist eher ein umstrittener Punkt", heißt es. Apropos Geld: "Der Gipfel wird nur dann ein Erfolg, wenn alle Beteiligten auch bereit sind, mehr ins System zu investieren", gibt die rheinland-pfälzische Ministerin Doris Ahnen (SPD) zu bedenken. Man darf gespannt sein, ob und wie der Bund die Aufforderung verstehen wird.

Zum Thema GEW beklagt Lehrermangel
  Für Brandenburg erwartet die Lehrergewerkschaft GEW ein besonders problematisches Schuljahr. Grund sei vor allem die völlig ungenügende Ausstattung der Schulen mit Lehrern , sagte gestern GEW-Chef Günther Fuchs. Mindestens 800 zusätzliche Lehrerstellen seien notwendig.
Sachsens SPD-Landeschef Thomas Jurk hat gestern mehr Chancengleichheit im Bildungssystem gefordert. "Wer die solidarische Gesellschaft braucht, muss sie bekommen", sagte er.