Eine geschrumpfte Mehrheit im Parlament, dazu Themen wie die Polizeireform, die Kommunal- und Verwaltungsreform und die Frage nach der Zukunft der Braunkohle. Dafür braucht es ein gut aufgestelltes, fittes Regierungslager. Brandenburgs SPD indes strauchelt schon bei der Frage, ob der ehemalige Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) ein Büro im Landtag haben darf. Eine Frage, die durch die Anmietung eines Arbeitsraumes außerhalb des Potsdamer Stadtschlosses relativ souverän gelöst wäre, beschäftigt Politik und Medien für Wochen. Und wieso hält sich dieses Thema so lange? Weil in der SPD niemand ein Machtwort spricht: Die Landtagsfraktion mit ihrem Vorsitzenden Klaus Ness weigert sich, eigene Fehler einzugestehen, die Staatskanzlei hält sich zurück, um das Thema von Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) fernzuhalten.

Anders ist es im Innenministerium. Minister Karl-Heinz Schröter (SPD) hat zumindest ein halbes Machtwort gesprochen. Die Polizeiliche Kriminalstatistik 2014 wurde wieder nach den bundeseinheitlichen Richtlinien des BKA verfasst. Eine Entscheidung, die überfällig war. Bemerkenswert allerdings ist die Halbherzigkeit des Ministers, wenn es um den ehemaligen Polizeipräsidenten Arne Feuring geht. Auf der Pressekonferenz ebenso wie im Fernsehstudio des RBB verweigert sich Schröter der letzten Konsequenz. Wer permanent "Ich arbeite mit Arne Feuring zusammen" statt "Ich habe Vertrauen in die Person Arne Feuring" sagt, verweigert ihm für alle sichtbar das Vertrauen - und traut sich doch nicht, Woidke um die Ablösung des Staatssekretärs zu bitten.

Warum dieses Zögern? Weil Woidke einst selbst Innenminister war, und Feuring sein Polizeipräsident? Zur Erinnerung: Als er ihn 2011 zum Polizepräsidenten machte, sparte der damalige Innenminister Woidke nicht mit Vorschusslorbeer in Sachen Feuring. "Mit Arne Feuring werden wir einen exzellenten Polizeiführer an der Spitze der Landespolizei haben", sagte Woidke damals in einer Pressemitteilung. "Er hat bereits an verantwortungsvoller Stelle hervorragende Arbeit geleistet und sich in komplizierten Situationen durch klare und dabei besonnene Entscheidungen ausgezeichnet." Und schließlich: "Ich bin sicher, dass er den weiteren Modernisierungsweg der Landespolizei in der herausfordernden neuen Funktion weiter entscheidend mit gestalten wird."

Doch überhaupt: Was macht Woidke eigentlich? Dafür, dass ein SPD-Vizekanzler die von der Brandenburger SPD intensiv geförderte Braunkohle in Gefahr bringt, war der Potsdamer Regierungschef reichlich zurückhaltend unterwegs. Zur Erinnerung: Am Donnerstag, 18. März, lag das Eckpunktepapier zur Kohle den ersten Berliner Medien vor. Eine Pressemitteilung der Potsdamer Staatskanzlei, in der sich Woidke zum Thema äußerte, wurde am Dienstag, 24. März, veröffentlicht.

Da bleiben am Ende einige Fragen unbeantwortet am Brandenburger Horizont: Zeugen alle drei Vorgänge, die Provinzposse Platzeck, das Zauderspiel um Arne Feuring und die späten Äußerungen zur Lausitzer Kohle eigentlich von souveränem Regierungshandeln? Und wird es unter diesen Voraussetzungen gelingen, auch kompliziertere Themen, wie die Kommunalreform, zu einem Erfolg zu führen? Leichte Zweifel sind da momentan wohl angebracht.