Obwohl der slowenische Regierungschef Janez Jansa unmittelbar nach Schließung der Wahllokale seine Niederlage anerkannt und den Wahlsiegern gratuliert hatte, hofft er jetzt doch noch auf einen Sieg bei den Parlamentswahlen vom Sonntag. Er rechnet mit einer klaren Mehrheit bei den Stimmen der 45 000 Auslandsslowenen, die erst in einer Woche ausgezählt werden. Denn schließlich hatte sich Jansas SDS-Partei mit 12 000 Stimmen Unterschied den oppositionellen Sozialdemokraten (SD) geschlagen geben müssen. Und doch räumt ihm die große Mehrheit der heimischen Politikexperten kaum Chancen ein. Erstens könnte Jansa eine konservative Regierungsmehrheit nur mit den extremen Nationalisten (SNS) bilden, die bisher für keine andere Partei im Land koalitionsfähig waren. Zweitens hat die Rentnerpartei Desus als sein bisheriger Koalitionspartner ihm schon einen Korb gegeben. Ihr Vorsitzender, der amtierende Verteidigungsminister Karl Erjavec, kündigte gestern Gespräche mit der SD unter dem wahrscheinlichen neuen Ministerpräsidenten Borut Pahor an: "Unsere Programme sind kompatibel, jedenfalls mehr als sie es einst mit Jansas SDS waren." Die vom SD-Chef Pahor geplante Mitte-Links-Regierung kann auf die zwei Abgeordneten der nationalen Minderheiten zählen, die sich meist auf die Seite der Regierung schlagen, von der sie im Gegenzug für ihre Landsleute finanzielle Hilfe erwarten. Wollte Jansa seine seit vier Jahren amtierende Mitte-Rechts-Koalition doch noch zustande bringen, wären nach Ansicht der Analytiker zu viele unwahrscheinliche Voraussetzungen notwendig. Und mit noch einem Pfund kann die durch die Wahl gestärkte Linke wuchern. Zwei graue Eminenzen der Innenpolitik haben sich offener hinter ihr Projekt der Regierungsbildung gestellt. Da ist zum einen der hoch angesehene Milan Kucan. Der frühere Vorsitzende der Kommunisten hatte Slowenien in den 80er-Jahren von Jugoslawien getrennt und war dann von 1992-2002 der erste Staatspräsident des neuen unabhängigen Staates. Er wird unterstützt von dem einst mächtigen Wirtschaftskapitän Zoran Jankovic mit immer noch glänzenden Kontakten zu vielen Spitzenunternehmern. Er ist heute der politisch überaus einflussreiche Bürgermeister der Hauptstadt Ljubljana. Der "alte politische Haudegen" Jansa, der stets Links und Rechts polarisiert hatte, schlägt jetzt für ihn fremde neue Töne an. Er denke über eine Große Koalition zwischen den Sozialdemokraten und seiner SDS nach, hat er geäußert. Beobachter deuten das als Beweis, dass für ihn die Wahl verloren ist und er einen letzten Strohhalm zur Rettung sucht. Doch sein Gegenspieler Pahor hat abgewinkt. Die Erfahrungen mit Großen Koalitionen in Österreich und Deutschland seien zu schlecht, so seine Begründung.