Einige seiner alten Weggefährten aus der Zeit der DDR-Umweltbewegung waren ins Potsdamer Haus der Natur gekommen, um mit ihm zusammen einen Mann zu ehren, der damals für sie alle eine bedeutende Rolle spielte. Der neu gestaltete Versammlungssaal des Gebäudes wurde nach Reimar Gilsenbach benannt, dem Brandenburger Schriftsteller und Naturschützer.
Platzeck erinnerte in bewegten Worten an die gemeinsamen Tage insbesondere im November 1989, als Gilsenbach bei der ersten großen Umweltdemonstration in Potsdam die wichtige Rede hielt. Das sei ein Moment gewesen, den der Schriftsteller als "unendliche Befreiung" empfunden hatte - und Platzeck selbst wohl auch.
Der Ministerpräsident zitierte dann aus Akten, die die Staatssicherheit zu Gilsenbach angelegt habe. Die Stasi habe den Autor, der bis 1989 der SED angehörte, auch seiner "Humanitätsduselei" wegen zu verleumden versucht. Tatsächlich sei damit aber das Eintreten Gilsenbachs für die Schwachen und Wehrlosen, sein Glauben an die Größe des Menschen gemeint gewesen. Der - "ein wirklicher Freigeist" - habe wiederum seinerseits nach seinen Erfahrungen mit verschiedenen Staatswesen, staatliche Bürokratie in jeder Form als Bedrohung empfunden, empfinden müssen. Er habe viel mehr auf die Selbstheilungskräfte der Natur gesetzt, aber "nicht ohne unser Zutun", wie ihn Platzeck zitierte.
Immerhin, sagte der einstige Umweltminister und heutige Regierungschef, habe der Autor nach der Wende trotz aller Skepsis dem Staat noch eine Chance geben wollen. Hannelore Gilsenbach, die Witwe des im November 2001 verstorbenen Naturschützers, musste dann allerdings ganz freundlich ("lieber Matthias") und doch bestimmt einiges wieder zurecht rücken. Kurz vor seinem Tod sei Gilsenbach in der Lausitz gewesen, der Dörfer wegen, denen die Zerstörung drohte. "Wer Horno wegbaggert, baggert sein Gewissen weg", habe er in dem Ort, der heute nicht mehr existiert, gesagt. Was sie heute besonders empöre, habe ihr Mann, der sich immer für den Erhalt der Regenwälder und ihrer Bewohner einsetzte, zum Glück nicht mehr erlebt: die "Eulenspiegelei" der Touristenattraktion Tropical Island mit ihrem ungeheuren Energiebedarf. Dann sang Frau Gilsenbach noch ein Lied über die "Rech enmeister, die die Zahlen sehen, aber die Welt nicht verstehen". Matthias Platzeck spendete Beifall und enteilte zu wichtigen Terminen nach Berlin.