Inhalt: Vorschläge für ein mögliches Treffen, um die seit Anfang Juni schleppend verlaufende Regierungsbildung zu beschleunigen. Denn Topolanek konnte zwar die Parlamentswahl gewinnen, aber ein Patt zwischen linkem und rechtem Lager blockiert die Koalitionsverhandlungen. Manchmal erhalte er Antwort auf die SMS, sagt Paroubek achselzuckend, häufig aber nicht.
Bisher haben die zähen Verhandlungen nur eins gezeigt: Topolaneks Bürgerpartei (ODS) würde gerne mit den Christdemokraten (KDU-CSL) und den Grünen (SZ) regieren. Eine solche Koalition hätte aber mit 100 der 200 Sitze im Parlament keine Mehrheit. Und Paroubeks Sozialdemokraten (CSSD) und die Kommunisten (KSCM), die zusammen die anderen 100 Mandate halten, lehnen die Tolerierung eines solchen Mitte-Rechts-Bündnisses ab. Sie können allerdings ebenfalls nicht aus eigener Kraft regieren. Diese ungewöhnliche Patt-Konstellation war schon am Wahlabend klar. Doch zwei Monate später sind die Akteure auf der Suche nach einem Ausweg kaum weiter.
Morgen kommt es nun zu einem mit Spannung erwarteten Krisentreffen zwischen Topolanek und Präsident Vaclav Klaus. Das Staatsoberhaupt erwartet vom Wahlsieger einen Rechenschaftsbericht über die Verhandlungen. Zufrieden kann Klaus mit der Situation nicht sein. Daher gilt als möglich, dass er den Auftrag zur Regierungsbildung an jemand anderen vergibt. Er kann aber auch Paroubek zum sofortigen Rücktritt auffordern. Allerdings unterstrich der Wahlverlierer bei einem Gespräch mit Klaus, dass er nur bei einer "zufriedenstellenden Gesamtlösung" seine Demission einreicht. Einzelheiten nannte der Regierungschef nicht.
Eine verzwickte Lage, aber an "kreativen" Ideen mangelte es in den vergangenen acht Wochen trotzdem nicht: Einmal schlug Topolanek vor, die Tschechen sollten in einer Sonderwahl einen zusätzlichen Abgeordneten mit "goldenem Mandat" bestimmen, der das Unentschieden aufhebt. Kleinlaut musste er einräumen, dass die Verfassung keinen Raum für eine solche Abstimmung lässt. Paroubek wiederum sagte, er habe die Wahl angesichts des knappen Ergebnisses eigentlich nicht verloren, sondern er sei "zweiter Sieger" und insofern ebenfalls zur Regierungsbildung berechtigt. Den Tschechen bescherten diese Einfälle viel Diskussionsstoff, nur eins nicht: eine Regierung.
Noch nie dauerten in Prag die Koalitionsverhandlungen so lange. Dabei drängt die Zeit, denn das Land muss so schnell wie möglich den Beitritt zum Schengen-Raum und zur Euro-Zone vorbereiten. Doch nun glauben Prags Parteien in seltener Eintracht, die wahren Schuldigen für die Misere gefunden zu haben: die Wähler. Sie hätten die Mehrheiten einfach schlecht verteilt, kritisieren Vertreter aller politischen Kräfte, daher seien Neuwahlen nicht ausgeschlossen.
Zudem müsse die Verfassung so geändert werden, dass eine Wahl künftig klare Verhältnisse schaffe. Tschechiens Politologen warnen jedoch davor, wegen einer schwierigen Regierungsbildung gleich "die Axt an die Verfassung zu legen". Am deutlichsten drückt es der wohl renommierteste von ihnen, Tomas Lebeda, aus. In ihrer Hilflosigkeit, sagt der Experte von der Prager Akademie der Wissenschaften, würden sich Tschechiens Politiker nicht scheuen, "einen ganz und gar barbarischen Umgang mit der Verfassung" zu offenbaren.