Lockerung der Schuldenbremse, Verzicht auf Kredit-Tilgung, weniger Vorsorge für Beamtenpensionen lauten die Koordinaten. Doch Kapitän und Steuermann halten genervt, aber eisern am Kurs fest.Nach einer Sondersitzung des Kabinetts verkündete Regierungschef Stanislaw Tillich (CDU) gestern abermals: "Wir wollen die Sparsamkeit beibehalten, um in Arbeitsplätze investieren zu können." Die entsprechenden Eckwerte seien von seiner Mannschaft bestätigt worden. Sie lauten: Rückgang des 16-Milliarden-Etats um 1,75 Milliarden, keine Neuverschuldung, hohe Investitionsquote, dafür aber Kürzungen und Abbau des Personals. So droht vielen Lehrern neue Teilzeit und der Polizei laut Gewerkschaftern eine zusätzliche Streichung von 1500 Stellen. Diese Nachricht habe ihn zwar "überrascht", scherzte Tillich, fügte aber hinzu: Im Landesdienst sei ein Abbau von 88 000 auf 70 000 Stellen bis 2020 geplant - in allen Bereichen. Nur einen Einstellungskorridor für 300 junge Beamte jährlich solle es auf jeden Fall geben. Damit habe er den Innenminister beauftragt.Dass in der Kabinetts-Sondersitzung einzig Kultusminister Roland Wöller (CDU) und Wissenschaftsministerin Sabine von Schorlemer (parteilos) eine Sonderrolle hatten, sei durchaus als Schwerpunktsetzung zu verstehen. "Bildung und Hochschule haben Priorität. Das bedeutet weniger beim Weniger", so Tillich. Tiefer wollte sich der Ministerpräsident jedoch nicht in die Karten gucken lassen: Welche Stellschrauben gedreht würden, werde erst in den Chefgesprächen der nächsten Wochen und "letztlich" auf einer Klausur Mitte Juni entschieden. Bis dahin ist alles Verschlusssache.Klar ist jedoch: Mindestens die Hälfte der Einsparungen erbringt der Freistaat bei den Kommunen. Nach Materialien des Finanzministeriums sinken die Zuweisungen von mehr als drei Milliarden auf etwa 2,2 Milliarden - mithin rund 850 Millionen Euro weniger. Die kommunalen Spitzenverbände warnen bereits davor, sie in die Verschuldung zu treiben, während der Freistaat auf neue Kredite verzichte. Tillich ficht die Kritik aber nicht an: Manche Landkreise und Städte hätten eben ihre Hausaufgaben gemacht. Die Zeit des "Aufbaus Ost" sei nunmal vorbei, wiederholt zudem Finanzminister Georg Unland (CDU) gern. Die Finanzkrise tue ein übrigens dazu, dass der Etat "schlagartig" angepasst werde.Für SPD-Finanzpolitiker Mario Pecher war das Resultat der gestrigen Statements bitter: "Floskeln, Phrasen, heiße Luft. Weniger konnte man in 30 Minuten nicht sagen." Linke-Fraktionschef André Hahn forderte "ein transparentes Verfahren, bei dem die Öffentlichkeit auf dem Laufenden gehalten wird".