Die Länder werden dabei nach ihren Schülerzahlen bedacht. Sachsen könnte demnach 200 Millionen Euro bekommen, 15 Millionen schon dieses Jahr. Doch die Staatsregierung ziert sich. „Problematisch ist, dass wir die Personal- und Betriebskosten selbst tragen sollen“, erklärt der Sprecher des Kultusministeriums Dieter Herz. Zudem laufe das Programm nach ein paar Jahren aus. Deshalb legt sich der Freistaat bisher nicht fest, ob er das Angebot aus Berlin annimmt. „Es gibt am 7. März ein Gespräch der Kultusminister mit Frau Bulmahn. Daran nehmen wir teil“, sagte Herz. Eventuell könne in den Verhandlungen etwas bewegt werden.

Eigener Schulversuch
Unabhängig von dem Bulmahn-Programm plant Sachsen einen mehrjährigen Schulversuch mit Ganztagsangeboten. In allen fünf Regionalschulamtsbezirken können je eine Mittelschule und ein Gymnasium mit Beginn des nächsten Schuljahres daran teilnehmen. Im März läuft dafür die Ausschreibung. Die Konzepte der Bewerber sollten auf die „soziale Unterversorgung und mediale Überversorgung“ sowie auf neue Bildungsanforderungen Antworten geben, heißt es in der vorläufigen Ausschreibung. An drei bis fünf Werktagen solle ein nach pädagogischen Gesichtspunkten strukturierter, ganztägiger Schultag gestaltet werden. Zudem soll es Freizeitangebote etwa in AG und Projekten sowie durch Bibliotheken und Schulclubs geben. Beide Projekte seien aber „zwei getrennten Angelegenheiten“, so Herz. „Ob das zusammen geht, müssen wir sehen.“

GEW: Programm nutzen
Der Lehrergewerkschaft GEW reicht das nicht aus. Sachsen müsse die Chance des Berliner Programms nutzen, sagt GEW-Chefin Sabine Gerold. Statt nur zehn Modellschulen müsse es ein flächendeckendes, bedarfsgerechtes Angebot an Ganztagsschulen geben. Auch Grundschulen müssten einbezogen werden. „Wir fordern den Freistaat Sachsen auf, seine Zurückhaltung aufzugeben“, sagt Gerold. In Umfragen hätten sich mehr als zwei Drittel der Eltern für ganztägige Betreuung ausgesprochen. Anstatt ein neues Modellprojekt zu starten, könne auf die Erfahrungen anderer Länder zurückgegriffen werden.
Ähnlich sieht es die SPD-Landtagsfraktion. „Jetzt ist die Staatsregierung in der Pflicht, die Bundesmittel im Freistaat bestmöglich zum Einsatz zu bringen und ihre Blockade von Ganztagsschulen aufzugeben“, verlangt Bildungspolitiker Gunther Hatzsch.
Die Bundesmittel dürften nicht nur für zehn Schulversuche verwendet werden, sondern müssten ein flächendeckendes Angebot schaffen. Die SPD fordert die sofortige Schaffung von 100 Ganztagsschulen.